Michael Schultz Daily News Nr. 865

Michael Schultz Daily News Nr. 865

Berlin, den 6. Februar 2015

es geht also doch noch mit der Diplomatie. Gestern startete unsere Kanzlerin gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Hollande eine neue Friedensinitiative für die umkämpften Gebiete in der Ostukraine. In Kiew erörterten sie mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko diverse Möglichkeiten für einen baldigen Waffenstillstand; heute geht es weiter nach Moskau zu Wladimir Putin. Dieser empfängt die Kanzlerin zur Beilegung des Ukraine-Konflikts im Kreml; erstmals überhaupt seit Beginn der Auseinandersetzung.  

Die Ukraine nimmt Abstand von den in den letzten Tagen immer lauter werdenden Forderungen nach Waffenlieferungen, auch US-Außenminister Kerry hat sich von dem vorschnellen Vorstoß seiner Regierung zur Lieferung von Kriegsgerät in die Ukraine verabschiedet. Die Töne werden moderater, und mit ihnen schwindet die Angst vor dem Entflammen eines dann kaum noch aufhaltbaren Schwellenbrandes, der sich ganz weit nach Europa hineinfressen könnte. 

Die Voraussetzungen für ein Gespräch auf Augenhöhe mit Putin sind denkbar schlecht. Vor kurzem erst wurde das Sanktionspapier verlängert, es gab gar laute Rufe nach einer weiteren Verschärfung kalter kriegerischer Handlungen. Auch wenn man das offen nie zugeben wird, die russische Wirtschaft spürt es und leidet enorm unter den westlichen Sanktionen. Dem Rubel ist der Boden entzogen worden, die Kreditwürdigkeit des Landes ist auf der untersten Stufe angelangt. Ein anhaltender  Verfall der Preise auf den internationalen Energiemärkten, sowie die sanktionsbedingte Teilausgrenzung Russlands  von den globalen Finanzmärkten, beschleunigen den wirtschaftlichen Niedergang Russlands. 

Möglicherweise wird ein Kompromiss ausgehandelt, in dem einerseits die Sanktionen vom Tisch kommen, und in dem andererseits Putin in der Ostukraine die Waffen zum Schweigen bringt. In einem zweiten Schritt wird man sich auf die Autonomie der Ostukraine einigen, und dem Rest des Landes den Gang nach Europa nicht versperren. Die Krim, und das scheint bereits festgeschrieben, bleibt im Hoheitsbereich Russlands. So jedenfalls sehen die Spekulationen am heutigen Morgen aus.

Was auch immer in Moskau verhandelt wird, alles was zur Beendigung des Kriegs führt, beendet das unsägliche Elend der Menschen, die im Machtvakuum zweier Systeme leben. Über sechstausend Unschuldige sind dort bereits ums Leben gekommen, und  täglich werden es mehr. Nur am Verhandlungstisch werden die Probleme gelöst; für Merkel, Hollande und Putin bei Augenhöhe eine nicht unlösbare Aufgabe.

 

Großes Kino gibt es derzeit in Berlin. Glamourvoll wurden gestern Abend vor rund 1600 Gästen die 65. Berliner Filmfestspiele eröffnet. Star des Abends war die französische Schauspielerin Juliette Binoche. Sie spielt die Hauptrolle im Eröffnungsfilm 'Nobody wants the Night' - eine exzentrische Frau, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts ihrem Mann ins ewige Eis nachreist. Ein Streifen der in die Tiefe geht. Isabel Coixet, die Regisseurin des Films, soll bei der Vorführung die letzte Viertelstunde durchgeweint haben. Sogar den vielen Eisbären, die am Potsdamer Platz zur Begrüßung der Stars aufgestellt sind (Foto), haben die Vorführung nicht schadlos überstanden. Reihenweise bekamen sie weiche Knie, verloren ihren Halt, und schluchzten mit der Regisseurin. Ein wirklich umwerfender Film.

Genau zehn Trainer hat der Berliner Bundesliga-Verein Hertha BSC in den letzten fünfeinhalb Jahren verbraucht. Darunter Namen, die man heute schon gar nicht mehr kennt: Otto Rehhagel, Markus Babbel, Michael Skibbe, Rainer Widmayer und Friedhelm Funkel. Lucien Favre, einer der besten der Liga wurde geschasst, weil er was von Fußball versteht. Gestern wurde der Holländer Jos Luhukay gefeuert, und mit Pál Dárdai ein weiterer Noname auf den Stuhl des Cheftrainers gehievt. Überlebt hat das ganze Tohuwabohu bisher Manager Michael Preetz, der, so wie es derzeit aussieht, am Ende der Saison seinen dritten Abstieg mit Berlins Vorzeigeclub er- und überleben wird. Eine nachgesagte Beziehung zur Tochter des Vereinspräsidenten sichert ihm angeblich den Job. Beziehungen muss man haben.

Zu guter Letzt sei nochmal daran erinnert, dass heute Abend in der Neuen Galerie Gladbeck eine umfangreiche Ausstellung von SEO eröffnet wird. Näheres unter http://www.schultzberlin.com/de/news/konzept-malerei
Die 'WAZ' veröffentlichte bereits gestern ein erstes Interview mit ihr. Nachzulesen unter http://www.derwesten.de/staedte/gladbeck/seo-zeigt-installationen-und-malerei-id10314161.html

Schönes Wochenende.

 

 

 

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