Michael Schultz Daily News Nr. 863

Michael Schultz Daily News Nr. 863

Berlin, den 4. Februar 2015

'essen wir jetzt gar nichts mehr?', war der erschrockene Kommentar einer Kollegin, die bei der Recherche über versteckte Aromastoffe in unserer Nahrung behilflich war. Weil viele von uns Produkte mit künstlichen Aromen ablehnen, arbeiten die Hersteller mit allerlei Tricks. Sie generieren Geschmacksstoffe, indem sie Mikroorganismen beispielsweise auf Sägespänen ansiedeln. Da es sich dabei nicht um ein chemisches Verfahren handelt, können und dürfen die Aromen als natürlich gekennzeichnet werden. Auch für andere Lebensmittel verwenden Hersteller Inhaltsstoffe, die viele Verbraucher darin nicht vermuten. 

Die nachfolgend genannten Beispiele waren vergangene Woche im GMX-Netzmagazin aufgeführt. Geschmacklose und ungeheuerliche Wahrheiten, die wir ungekürzt und in Gänze weitergeben. Sensible Genießer, die heute noch nichts zu sich genommen haben, müssen wir vor dem Weiterlesen warnen. Hinterher wird sich wohl jeder die Frage stellen, was eigentlich aus unserem Speiseplan zum Verzehr noch taugt.

Großbäckereien, zum Beispiel,  setzen L-Cystein für die Mehlbehandlung und bessere Verarbeitung des Teiges ein. Die Aminosäure wird laut 'Foodwatch' aus menschlichem Haar, Schweineborsten, Geflügelfedern oder Pferdehufen gewonnen. Diese und andere tierische Bestandteile, die Hersteller als technische Hilfsstoffe einsetzen, müssen sie dem Verbraucher nicht kenntlich machen.

Als Überzugsmittel zur Behandlung von Schokolade, Süßigkeiten, Äpfeln, Nüssen, Kaffeebohnen und anderen Lebensmitteln benutzen die Hersteller oftmals Schellack. Sie gewinnen ihn aus Gummilack, der wiederum aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus stammt. Er soll gegen Feuchtigkeitsverlust schützen. Betroffene Lebensmittel sind als gewachst gekennzeichnet.

In Verbindung mit Alginsäure, einem Extrakt aus Braunalgen, landet Propylenglykol - ein Erdölderivat - als Zusatzstoff in Backwaren, Desserts, fertigen Salatdressings oder Limonaden. Die Industrie setzt die Flüssigkeit vor allem zur Herstellung von Kunstharzen, Konservierungsstoffen und als Frostschutz- beziehungsweise Desinfektionsmittel ein.

Damit tierische Fette nicht ranzig werden, wird Lebensmitteln häufig Tertiär-Butylhydrochinon (TBHQ) zugesetzt. Der Zusatzstoff wird auf der Zutatenliste häufig als E319 geführt. Es gilt als unbedenklich, verdirbt einem jedoch etwas den Appetit, wenn man weiß, dass es chemisch aus Erdöl hergestellt wird.

Siliciumdioxid oder auch Kieselsäure ist das in der Erdkruste am häufigsten vorkommende Mineral. Es steckt aber auch in fertigen Suppen, Käse und Salzen. Häufig benutzen Hersteller den Stoff, um Produkte in Pulverform vor dem Verklumpen zu bewahren. Die Industrie gewinnt Siliciumdioxid aus natürlich vorkommendem Quarzsand und verwendet es vorwiegend in der Kautschuk-Herstellung.

Cornflakes bleiben wochenlang knusprig und frisch. Der Inhaltsstoff Butylhydroxytoluol (BHT) ist dafür verantwortlich. Das chemische Gemisch ist normalerweise in Petroleum-Produkten wie Flugzeugtreibstoff enthalten.

In Quark und Frischkäse kann Gelatine als Verdickungsmittel enthalten sein. Das ist auf der Zutatenliste vermerkt. Trotzdem sind viele Verbraucher überrascht - schließlich würde man vermuten, dass sich Frischkäse auch für Vegetarier eignet.

Außerdem verwenden Hersteller Gelatine zur Klärung von Wein und Säften. Laut Gesetz muss die Verwendung der Träger-Gelatine nicht auf der Verpackung vermerkt sein.

Vegetarier müssen auch bei Pflanzenmargarine aufpassen. Sie muss zwar 97 Prozent pflanzliche Fette und Öle enthalten, die restlichen drei Prozent können aber auch Rindertalg oder andere tierische Stoffe sein. Also in Zukunft lieber zweimal auf die Verpackungen schauen.

In Geflügelwurst stecken ebenfalls Zutaten, die niemand vermuten würde: Schwein oder Rind. Damit auf dem Etikett 'Geflügel' stehen darf, reicht es, wenn der Geflügelfleischanteil mindestens 15 Prozent beträgt. Der Rest kann legal von einem anderen Tier stammen. Wer zum Beispiel aus religiösen Gründen kein Schwein oder Rind isst, sollte hier aufpassen.

Die Beispiele zeigen auf, wie einfach es der Nahrungsmittelindustrie gemacht wird, um die vom Gesetzgeber verordnete Auszeichnungspflicht auszuhöhlen. Diese ist dermaßen mangelhaft, dass sogar Menschenhaare bei der Verarbeitung von Teigwaren verwendet werden dürfen, die dann problemlos in unser Brot wandern.

Was wir heute aufgezeichnet haben, ist ein schwindend geringer Teil dessen, was wirklich geschieht. In jeder Kultur hat die Nahrungsverarbeitung einen besonderen Stellenwert; und überall ist dieser sehr hoch angesetzt. Bei den ganz 'kultivierten' unter den Völkern allerdings wandert so viel Müll in die Nahrung, dass von einer Nahrungsmittelkultur schon lange nicht mehr gesprochen werden darf. Die ekelhaften Ingredienzien sind ein Kollateralschaden des globalen Nahrungsmittelhandels. Alles muss überall und zur selben Zeit zu haben sein, dafür wird es künstlich haltbar gemacht, die Erkenntnisse daraus wandern später konzentriert in unsere Fertigprodukte...

Zeit zum Umdenken.