Michael Schultz Daily News Nr. 857

Michael Schultz Daily News Nr. 857

Berlin, den 27. Januar 2015

Dresden hat sich gestern Abend von seiner besten Seite gezeigt. Mit einem Konzert haben am gestrigen Montagabend zehntausende Menschen sowie zahlreiche Künstler ein Zeichen für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit gesetzt. Die Veranstalter sprechen von mehr als 25.000 Besuchern, die trotz strömenden Regens zur Frauenkirche gekommen sind. Weil der Platz vor der Bühne auf dem Neumarkt völlig überfüllt war, wurden die Menschen auf den Theaterplatz umgeleitet, wo eine große Videoleinwand aufgebaut war. Die Musiker verbreiteten eine Superstimmung; glückliche Dresdner wünschten sich, dass es in ihrer Heimatstadt montags immer so wäre.

Zu den Künstlern und Bands, die in Dresden ohne jegliche Gage auftraten, gehörten unter anderem Keimzeit, Silly, Sebastian Krumbiegel mit Toni Krahl, Sarah Connor und Herbert Grönemeyer. 'Wir haben uns hier mit vielen Musikern versammelt, weil wir der Meinung sind, dass Dresden eine tolerante Stimme benötigt. Sonst laufen hier zu viele Menschen mit gepanzerten Herzen rum', sagte Toni Krahl. Er glaube aber nicht, dass die vielen 'Pegida'-Anhänger alles Rassisten sind, sie folgen der Bewegung, weil sie im Leben und von der Politik enttäuscht sind.

Herbert Grönemeyer hat auf dem Konzert 'offen und bunt - Dresden für alle' eine flammende Rede für Toleranz und Menschlichkeit gehalten. Es dürfe jetzt, siebzig Jahre nach Befreiung von Auschwitz, kein erneutes Aufflammen von Intoleranz geduldet werden, wo dies hinführt, zeige die schrecklichste Passage der deutschen Geschichte. Deutlich drastischer äußerte sich der BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken. Er bezeichnete 'Pegida' als Aufstand der 'Ignoranten' und 'Unbelehrbaren'. 'Wie kann man allen Ernstes in Dresden eine Initiative starten, die uns vor Muslimen schützen soll? Was für ein Quatsch. Das ist grauenhaft.'

Der gestrige Abend war ein Segen für das von der 'Pegida'-Bewegung beschädigte Image der Kulturstadt Dresden. Die Bürger der Stadt wünschen nichts mehr, als dass Ruhe nach Dresden kommt und der friedfertige Alltag wieder einkehrt.  Ein guter Anfang gestern Abend.

Hoffen wir, dass es so weitergeht.