Michael Schultz Daily News Nr. 849/50

Michael Schultz Daily News Nr. 849/50

München, den 16. Januar 2015
 

augenblicklich erleben wir gerade eine nicht beabsichtigte, und gar niemals vermutete Auseinandersetzung zu den Ausführungen der Dankeserwiderung 'nicht dafür'. Anscheinend wurde da ein Fass angestochen, was kurz vorm überlaufen war. Im Kern sind wir uns einig: die Dankesablehnung 'nicht dafür' findet nur wenig Freunde, doch diejenigen die darauf stehen, verteidigen ihre Haltung vehement. Ansonsten, und das ist wirklich beruhigend, erfreut sich die große Mehrheit an dem Klassiker 'gerne'. Im Süden des Landes kennt man die verfemte Verweigerung schon gar nicht: dort begnügt man sich im ländlichen Bereich mehr mit einem schlichten 'Vergelt's Gott', weit verbreitet hört man auch das schlichtere 'passt scho'. Mit ihm wollen wir den Diskurs über Höflichkeitsformeln beenden; danke nochmal an die vielen Anregungen dazu. 

Wenn man beobachtet, was so gerade um uns herum geschieht, dann befällt einen das Gefühl, dass die globalen Wertesysteme stark am Auseinanderbröckeln sind. Das gilt für die Religiös-ethnischen genauso wie für die Sozial-, für die Interkulturellen- und die Finanzsysteme. Durch die überraschende Aufhebung der Koppelung des Schweizer Franken an den Euro wurden gestern beispielsweise regelrechte Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Indem die Schweiz den Franken auf einen Mindestkurs von 1.20 zum Euro gestützt hielt, wurden über Jahre die Exporte geschützt. Nach der Aufhebung  gestern  brach vorübergehend der Aktienmarkt um satte 14% ein.  Der Franken wurde zeitweise bis an die 30% aufgewertet. Der ohnehin schwache Euro verlor deutlich an Wert, und fiel auf den tiefsten Stand seit 2003.

In Finanzkreisen spricht man von einer Kapitulation der Schweizer Notenbank. Diese rechtfertigt den unvorhergesehenen Vorgang damit, die Handlungsfreiheit zurückzugewinnen. Die Wirtschaft müsse sich jetzt anpassen und stärker von den natürlichen Regeln des Marktes geleitet werden. Um Insidergeschäfte zu verhindern, blieb der Vorgang streng geheim. In der Konsequenz bedeutet das für uns, dass künftig die Reisen in die Schweiz teurer werden und im Umkehrschluss die Schweizer ihre Einkäufe in Zukunft so gut es geht außerhalb des Landes tätigen werden. 

Unbestritten, der Schweizer Franken gilt als Stabilitätsanker im Weltwährungsgefüge. Dass dieses System auf eine natürliche Kursanpassung jedoch so sensibel reagiert, dass dadurch das Weltfinanzwertesystem kurzfristig aus den Fugen gerät, stimmt zum Nachdenken. Und, man ahnt schon, was passieren wird,  wenn die (vermutlich) vielen  Währungen, die im Stützkorsett stecken, von der Fesselung entbunden werden. Alles bricht zusammen, und das was augenblicklich ohnehin zur Aufbewahrung Geld kostet, wird nichts mehr wert sein: unser Geld.  Ein Schreckensszenario sondergleichen.

In der Schweiz wird Bares was auf dem Konto liegt, seit einiger Zeit mit Minuszinsen belastet. Entgegen allen anders lautenden Beschwörungen; es wird sicherlich nicht mehr lange dauern, und die Depotverwaltung von Bargeld wird auch bei uns zu einem erheblichen Kostenfaktor für den Einleger. Wenn die Banken in ihrem Kerngeschäft kein Geld mehr verdienen, wird es Zeit zum Nachdenken. Sachwerte sind angesagt, nach dem gestrigen Tag wird der Run darauf noch stärker werden. Kunst, Oldtimer, Weine und Uhren; Alternativen im Anlagegeschäft, die immer mehr in den Fokus rücken.

 

 

In der angesagten Augsburger Galerie Noah wurde gestern Abend eine sehenswerte Ausstellung von Helge Leiberg eröffnet. In einer kurzen Begrüßungsrede ermahnte Prof. Ignaz Walter die vielen Besucher, dass es keine stabilere Währung als Kunst gibt. Langfristig war es immer das Beste, seine Anlagen darin zu tätigen. Ein wahres Wort, zur rechten Stunde am rechten Ort. (Beim Glaspalast 1, 86153 Augsburg, bis zum 1. März 2015)

Am Montag wieder mehr, von einer hoffentlich sich beruhigenden Welt.