Michael Schultz Daily News Nr. 839

Michael Schultz Daily News Nr. 839

Berlin, den 6. Januar 2015

für viele von uns war die 'Pegida'-freie Weihnachtszeit eine wahre Wohltat. Wir hofften, dass sich der braune Nebel über Dresden lichten würde und mit Beginn des neuen Jahres die rechtspopulistische Bewegung sich ihrer selbst entledigt. Doch weit gefehlt: gestern waren es wieder rund 18.000 Menschen, die in der sächsischen Landeshauptstadt auf die Straße gingen, und unverhohlener und lauter als jemals zuvor ihre  menschenverachtenden Kampfparolen in die Masse brüllten. 

Andernorts in unserer Republik versammelten sich unter dem Motto 'Licht aus für Rassisten' viele tausende 'Pegida'-Gegner. In Köln wurde nicht nur die Beleuchtung für den Dom abgestellt, große Teile der Innenstadt blieb am Abend lange Zeit im Dunkeln. Das V'-Werk in Dresden stellte die Beleuchtung aus, und in Berlin wurde aus Protest gegen eine Demonstration des 'Pegida'-Ablegers 'Bärgida' das Licht für das Brandenburger Tor abgeschaltet. Dort versammelten sich mehr als 5000 Gegendemonstranten, im westfälischen Münster waren es gar mehr als 10.000, die für ein weltoffenes Deutschland auf die Straße gingen. 

Auch wenn der Widerstand wächst, so werden doch die dumpf-braunen Parolen der 'Pegida'- Anhänger immer unappetitlicher. 'Kartoffeln statt Döner' ist eine der Losungen, hinter der  tausende erwachsener Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft hinterher laufen. Plumper, dümmer und blöder geht es gar nicht mehr.  Das Gefahrenpotential, das sich hinter solch 'harmlosen' Parolen verbirgt, ist enorm.  

Schon lange nicht mehr, womöglich noch nie, ging und geht es den Organisatoren um die Angst vor der Islamisierung. Schon gar nicht in Dresden, dort wo es so gut wie keine Muslime gibt. Laut Innenministerium liegt der Anteil der islamischen Bevölkerung in ganz Sachsen bei weniger als 0,1 Prozent. Die Rädelsführer wünschen sich eine Gesellschaft, in der die Klassifizierung von Menschen vorgenommen wird, die je nach Stand mit unterschiedlichen Rechten ausgestattet werden. Ausschließlich darum geht es ihnen. 

Früher, und das ist noch gar nicht allzu lange her, früher war die Farbe des Bluts allentscheidend, und die Menschen wurden wie Tiere in Rassen unterteilt. Wenn der Dresdner Mob könnte wie er wollte, dann würden dieselben Merkmale, die unter den Nazis galten, auch heute wieder rechtens sein. Da braucht man auch gar nicht drum herum zu reden, nicht nur im Ansatz, sondern im innersten des Kerns ist 'Pegida' eine faschistoide und menschenverachtende Bewegung. Sie stellt eine gefährliche Bedrohung für den inneren Frieden dar und schadet immer mehr dem Ansehen unseres Landes im Ausland. 

Die Reaktionen der Friedliebenden und Aufgeschlossenen können vielsagender und deutlicher nicht sein, als der braunen Brühe das Licht abzustellen. Wir sollten uns aufrecht und aus der Mitte der Gesellschaft dagegenstemmen, so wie es Altkanzler Helmut Schmidt und auch Gerhard Schröder fordern. Dem Mob Paroli bieten, das ist jetzt gefragt.  

Tun wir das nicht, besteht die Gefahr, dass sich unsere Gesellschaft in die düsterste Zeit ihrer Geschichte zurückentwickelt. Wir müssen dagegen halten - ohne Wenn und Aber. 

 

 

 
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