Michael Schultz Daily News Nr. 837

Michael Schultz Daily News Nr. 837

Berlin, den 23. Dezember 2014

wie alle Berufsgruppen, so haben sich auch die deutschen Galerien mit einem Berufsverband eine Interessenvertretung geschaffen. Vorzugsweise auf politischer Ebene soll in ihm die Lobbyarbeit für die Mitglieder gebündelt und verrichtet werden. Das letzte große Projekt sollte die Verhinderung einer vom Bund geplanten deftigen Mehrwertsteuererhöhung sein; von ermäßigten 7 auf 19%. Ein gewaltiger Sprung, der vor allem den Bestand schlagartig um satte 12 Prozent erhöht.

Geschaffen wurde eine Mogelpackung in der über eine in Aussicht gestellte Pauschalmargenbesteuerung, durch die die enorme Abgabenerhöhung abgefedert werden sollte. Doch schon bei der genaueren Betrachtung des Vorgangs war klar, dass dieses Vorgehen reine Hinhaltetaktik des Bundes war und niemals in die Tat umgesetzt werden konnte. Die Verbandsoberen verkauften den Vorgang als Erfolg, der gegen Ende diesem Jahr mit einer einheitlichen Anwendungsverordnung der Länderfinanzminister in Kraft treten sollte.

Jetzt, als Weihnachtsgeschenk der Interessenversager, teilt der Verband kurz vor Jahresende lapidar mit: 'Die Würfel sind gefallen. Durch den gestern veröffentlichten restriktiven Anwendungserlass wird die 30%-Pauschalmarge für Galerien und Kunsthändler, für die sich der BVDG seit fast drei Jahren mit allen Mitteln eingesetzt hat, verunmöglicht - entgegen dem Sinne des Gesetzgebers. Die Finanzbehörden der Länder haben die Verkaufsfördermaßnahmen als Grundlage für die Nichtermittelbarkeit der Einkaufspreise von Kunstwerken als Voraussetzung für die Pauschalmarge nicht anerkannt. Wir bedauern sehr, Sie unmittelbar vor Weihnachten über diese unerfreuliche Entwicklung informieren zu müssen. Im neuen Jahr werden wir uns weiterhin für eine kunstmarktfreundliche Lösung auf EU-Ebene einsetzen. Wir fordern, was selbst die uneinsichtigsten Länderfinanzminister in Aussicht gestellt haben: Die jetzt getroffene Entscheidung gegen die Pauschalmarge zu überdenken.'

Das Gesetz kommt nicht zur Anwendung. Das steht fest. Wie so oft ist es dem Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) wieder einmal nicht gelungen, die Politentscheider von der Wichtigkeit und Dringlichkeit ihrer Mitgliederanliegen zu überzeugen. Wundern darf man sich jedoch nicht; wenn ein Eliteclub von viertklassigen Dilettanten geführt wird, kommt eben sowas dabei raus.

In der Konsequenz gibt es im Kunsthandelsbereich zwei unterschiedliche Mehrwertsteuersätze: 19% für die Galerien und 7% für die Künstler. Vernünftig und praktikabel ist eine einheitliche Handhabung; günstigstenfalls auf dem Niveau der Künstler. Wenn das wegen dem europäischen Harmonisierungswahn nicht geht, dann eben auf der Mitte bei 13%. Diesen Vergleich hätte sich das Finanzministerium sicherlich genauer angesehen; aber darauf muss man erst mal kommen.

Besonders enttäuscht und bestraft sind diejenigen Kollegen, die sich vom Verband blenden ließen und bereits nach dem in Aussicht gestellten Verfahren versteuert haben. Jetzt wird nachgezahlt, und zwar deftig. Wahrlich keine gute Nachricht so kurz vor dem Fest.

 

 

Am vergangenen Wochenende eröffneten wir letztmals in diesem Jahr zwei Ausstellungen: Lee Leenam mit seinen sich bewegenden Bildern, in denen er zu klassischen interaktiven Vorlagen Elemente und Geschichten aus der Gegenwart eingearbeitet hat, sowie eine Gruppenausstellung junger zeitgenössischer Malerei aus Italien. Wenn Künstler die Eröffnungen ihrer Kollegen besuchen, dann ist das immer eine ganz besondere Ehre. Beim anschließenden Opening-Dinner saßen sie vereint an einer Tafel: Elvira Bach, Stefan Szczesny, Helge Leiberg, der Kunsthistoriker Mike Cullen und die New Yorker Performerin Colette. 'The Last Supper' in kleiner Besetzung.

 

Die erste umfangreiche, große Museumausstellung widmete das 'Gwangju Art Museum' dem Maler Kim Yusob. Gestern Nachmittag wurde eröffnet. Gezeigt wird ein kompletter Überblick über sein bisheriges Schaffen; von den legendären 'Black Paintings' der 90iger Jahre bis hin in seine aktuelle Produktion. Sämtliche Etagen des großen Hauses wurden für die Show zur Verfügung gestellt. Eine Geste absoluter Anerkennung, die nur wenigen zeitgenössischen Künstlern zuteilwurde. Congratulations.

Der nächste Newsletter kommt am 5. Januar. Bis dahin wünschen wir allen Freuden und Lesern eine Pegida freie Ruhezeit.

Joe Cocker ist tot. Eine weitere unnötige Erschütterung in der Musikwelt.

Frohes Fest und ein aufregendes 2015