Michael Schultz Daily News Nr. 836

Michael Schultz Daily News Nr. 836

Berlin, den 22. Dezember 2014

Udo Jürgens ist tot. Gestern Nachmittag erlitt er bei einem Spaziergang in seiner Schweizer Wahlheimat eine Herzattacke, die zu seinem Ableben führte. Vor kurzem noch feierte der ewig jugendlich wirkende Jürgens mit seinen Künstlerkollegen seinen 80igsten. Jetzt ist er tot, man mag es kaum glauben.

Sechzig Jahre lang verzauberte er seine Fans in immer wiederkehrenden und nie enden wollenden Konzertveranstaltungen. Udo Jürgens war eine Rampensau der eleganteren Gattung. Er begeisterte und verführte, nahm sie alle mit und lies niemanden alleine. Ganz zum Schluss gab es meist ein 'Merci Chérie' vorgetragen im Bademantel am durchsichtigen Flügel.

'Keiner beherrschte die Kunst besser, dem deutschen Schlager Tiefgang zu geben. Keiner stand zugleich so über diesem Genre', schreibt der 'Spiegel' in seiner Onlineausgabe. Er war 'die Größe in der Branche, die doch sonst so von Oberflächlichkeit lebt. (...) Das Erstaunlichste an Jürgens war womöglich, dass er nie peinlich wirkte. (...) Hatte Jürgens in früheren Jahren mal wieder eine junge abgeschleppt, die seine Tochter hätte sein können, erregte das eher Bewunderung als Empörung. Ähnliche Narrenfreiheit genoss in der alten Bundesrepublik allenfalls Harald Junke, wenn er sich mal wieder einen Vollrausch geleistet hatte.'

Udo Jürgens war der Inbegriff der Unverwüstlichkeit. Er zeigte der biederen deutschen Unterhaltungswelt was es bedeutet, wenn Glamour, Intelligenz und Mitgefühl in Kunst einfließt. Mehr als 1000 Kompositionen hatte er geschaffen, nicht wenige davon wurden Welthits. Über 100 Millionen Tonträger wurden unters Volk gebracht. Er 'war der Inbegriff der Unverwüstlichkeit' schreibt der Wiener 'Standard' in seiner heutigen Ausgabe.

Ohne spürbare Blessuren überstand er sein wegen Steuerschulden ausgesprochenes einjähriges Auftrittsverbot in Deutschland. Er überstand die angebliche Sexaffäre mit einer 13 Jährigen. Seine Alkohol- und Beziehungsprobleme, seine Managementwechsel und viele weitere Affären. Bleiben wird seine Musik und mit seinen Liedern halten die Fans den Kontakt zu ihrem Idol. Viele von ihnen sind gestern ein wenig mitgestorben.

Was bleibt ist seine Musik. Unsterblich und bis in alle Ewigkeit.

Wegen der bevorstehenden Weihnachtsfeiertage erscheinen wir morgen zum letzten Mal in diesem Jahr. Der Versand der Ausgabe erfolgt bereits heute Abend. Wir gönnen uns, aber auch den Lesern, unsere alljährliche Ruhepause. Im neuen Jahr geht es am 5. Januar wieder weiter. Zielstrebig der Ausgabe 1000 entgegen.