Michael Schultz Daily News Nr. 835

Michael Schultz Daily News Nr. 835

Wien, den 19. Dezember 2014

im Nachtrag zu unseren Berichten der letzten beiden Tage über die Dresdener Montagsspaziergänge der 'Pegida'-Bewegung veröffentlichte die 'FAZ' in der gestrigen Ausgabe einen klugen Aufsatz von Christian Geyer. Unter der Überschrift 'Triumph des Ressentiments' schlussfolgert dieser: '(......) das eigentliche Problem ist zunächst einmal die Fremdenfeindlichkeit. Was immer man .....'dahinter' noch zu finden meint, darf nicht zu einer Entpolitisierung der gemeingefährlichen Essenz führen, die sich in der 'Pegidaparole' ausspricht und von etlichen einschlägig organisierten Aufpeitschern an der Spitze oder an den Rändern der Demonstration absichtsvoll verstärkt wird'. Wer sich hinter der 'Pegida'-Flagge verschanzt, 'der mag politisch stehen wo er will: er marschiert im Namen eines xenophoben Ressentiments, er betreibt Stimmungsmache mit jedem Schritt'. 'Pegida' sei kein Protest 'gegen konkrete Missstände, die sich mit politischen Mitteln beheben lassen könnten'. Der Protest richte sich nicht etwa gegen Grenzkriminalität, gegen eine Unterbesetzung der Polizei oder gegen unzureichende Unterbringung von Flüchtlingen. 'Nein, wer hier protestiert, schürt mit seiner Teilnahme unter dem Motto 'Islamisierung des Abendlandes' einen Generalverdacht gegen Ausländer, ohne ihn mit Tatsachen abgleichen zu wollen. (.....) statt Argumente hagelt es 'Putin'-Rufe, in grotesker Verzeichnung des russischen Machthabers als Gewährsmann für überschaubare Verhältnisse, Ordnung und Sicherheit'.

Eine kluge Antwort auf die ganz Schlauen bei uns im Land, die da der Meinung sind, man müsse die wachsende Angst und Unsicherheit in der Bevölkerung ernst nehmen. Auseinandersetzung kann erst dann stattfinden, wenn die Positionen erkennbar sind. Diese fehlen bei 'Pegida' in Gänze; die Mikrophone werden weggehauen, und das steht für den 'Triumph des Ressentiments über die politische Auseinandersetzung'.

Über die Bewegung wird noch viel geschrieben und diskutiert werden. Vielleicht helfen die bevorstehenden Feiertage, die Masse ein wenig zu dezimieren und damit in die Belanglosigkeit zu manövrieren. Sollte das nicht gelingen, wird sich der Verein spätestens dann auflösen, wenn Inhalte ernsthaft zur Diskussion stehen. Stichhaltige Argumente für Fremdenfeindlichkeit, die gibt es nicht.


Lee Lee-Nam, Ruins Mona Lisa, 2013, LED TV, 129 x 77 x 10 cm; video 5 min 40 sec

Trotz allen Ungemachs, unsere Arbeit geht weiter. Morgen eröffnen wir zum Jahresfinale zwei Ausstellungen, die unterschiedlicher nicht sein können:  Video-Installationen des südkoreanischen Künstlers Lee Lee-Nam,  in der eine Verquickung von heutiger Hightech-Welt  und traditionellem künstlerischen Arbeiten in bewegten Bildern erzeugt wird. In seiner Kunst dupliziert und zitiert er die Aura zeitloser Gemälde mit dem Computerbildschirm; er stellt, verankert und verfremdet die verwendeten Klassiker in einem neuen Kontext. In diesen bewegten Kunstwerken wird eine zweidimensionale Ebene - ein künstlerisches Zitat - in einen dreidimensionalen Raum transformiert. Die starren Landschaften  erfahren Rekonstruktion mit Bildern von Blumen, Pflanzen, Vögeln, Insekten und menschlichen Figuren, und  öffnen sich so einer neukombinierten Sichtweise. Lee Lee-Nam befreit 'konservierte' Momente, zugunsten einer vierdimensionalen Welt, in der sich Zeit und Raum miteinander verbinden. Unbedingt anschauen.


Chiara Sorgato, Labirinthe, 2014, Öl auf Leinwand, 120 x 140 cm

In einer weiteren Ausstellung, die gegensätzlicher nicht sein kann, zeigen wir einen Überblick über das aktuelle Schaffen einer ausgewählten Gruppe meist jüngerer italienischer Künstler. Zusammengestellt und ausgewählt in Zusammenarbeit mit dem renommierten Studio d'Arte Cannaviello aus Mailand.  Für die Auswahl ausschlaggebend war vor allem die Expressivität ihrer Kunst, die jeder einzelne in unterschiedlichster Sprache formuliert. Während manche Gemälde durch ihre leise und klare Sprache faszinieren, fordern andere die Fantasie und das Abstraktionsvermögen heraus. Von präzisen Portraits über industrielle Objekte bis zu mystischen Traumwelten sind viele Positionen berücksichtigt.  Durch diese unterschiedlichen Ausdrucksformen entsteht eine aufregende Mischung zwischen Realität und Abstraktion. In der Ausstellung vertreten sind u.a. Giuseppe Abate mit seiner Analyse und Kritik an der modernen Gesellschaft. Irene Balia, obsessiv in den Details und mehr fotografisch denn malerisch. Anna Caruso mit ihrem besonderen Augenmerk auf Räumlichkeit.  Der Industriehistorien-Chronist Cosimo Casoni lotet die Stärke, Schwächen und Kraft verlassener Industrieanlagen aus. Weiterhin sind in der Ausstellung Matteo Giagnacovo, Isabella Nazzarri, Bruno Marrapodi, Chiara Sorgato, Elena Vavaro und Silvia Mei vertreten.

 

 

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