Michael Schultz Daily News Nr. 833

Michael Schultz Daily News Nr. 833

Berlin, den 17. Dezember 2014

die blutig zu Ende gegangene Geiselnahme in Sydney, aber auch der Taliban-Übergriff auf eine pakistanische Schule mit mehr als 140 Toten gießt kräftig Öl in die Gebetsmühlen der Rechten in unserem Land. Die AfD zieht das Geiseldrama von Sydney als Rechtfertigung für die 'Pegida'-Demonstrationen heran. Eine hochkomplizierte Diskussion schwebt augenblicklich über den Stammtischen, niemand ist gegen Ausländer, nur die Qualität derer müsse stimmen.

An der sich wie ein Lauffeuer durchs Land fressenden Abneigung an allem Fremden, die sich im Kern auf das vom Islam bedrohte Abendland konzentriert, vergessen die Demonstrierenden, dass es die Gotteskrieger des Islam waren, die die Menschen aus ihrer Heimat vertrieben haben. Wegen der Schandtaten und des zugefügten großen Leids und in Angst um ihr nacktes Überleben haben sie ihre Heimat verlassen. Doch bei uns will man sie nicht haben. Das zu verstehen ist kaum möglich.

Die Politik tut sich insgesamt schwer, damit umzugehen. Klare Worte kamen von der Kanzlerin, der SPD und den Grünen. Weil der Protest an sich zum Parteiprogramm gehört, schwächelt die Linke zu diesem Thema. CSU und AfD ziehen an einem Strang, sie geben den Protestierenden Recht und unterstützen damit die Bewegung.

Immer wieder ist zu hören, dass sich die Protestbewegung bis tief in die Mitte unserer Gesellschaft hineingebohrt hat. Vielerorts werden Ableger gegründet, in Kassel warnten vergangen Montag 80 Menschen vor der Überfremdung, in Würzburg waren es knapp 300.  Die Gruppe 'Fragida' will die islamkritischen Proteste nach Frankfurt bringen. Der Leipziger Bürgermeister Burkhard Jung warnt den 'Pegida'-Ableger 'Legida' vor fremdenfeindlichen Umzügen. Gruppen in Düsseldorf, Bonn, Rostock und Braunschweig haben sich die Dresdner Aktivitäten zum Vorbild genommen. Im kleinen Taunusstädtchen Friedberg soll sich die 'Frigida' formiert haben; gut möglich,  dass wegen der besseren Zuordnung diese Bezeichnung zum Überbegriff einer deutschlandweiten Bewegung wird. 

Mit 'Frigida' bekäme die Bewegung auch die Chance, dass sich bei den Protestlern die Spreu vom Weizen trennt. Man begönne nachzudenken, und wer von den Denkenden will schon einer Strömung hinterher laufen, die für eine durch Frust ausgeloste Lustfeindlichkeit steht. Im Netz nachgeschaut wird bestätigt, was auf der Straße zu sehen ist:  Ursachen für Frigidität liegen im Besonderen im psychischen Bereich, die sich nicht durch Schmerzen bemerkbar machen.

Voller Frust und völlig schmerzfrei rennen die vom Unglück geplagten Montag für Montag auf die Straße. Sie suchen ihr Glück im Hass gegen die Schwächeren. Weil es ja auch so einfach ist. Gott sei Dank ist wenig Testosteron im Spiel,  sonst wären es bestimmt keine gemütlichen Spaziergänge. In der Menge gehen sie unter, und genauso wollen sie es. Feiglinge, denen man kaum böse sein kann. 'Frigida' hilft ihnen zu überleben; wäre ihr Ansinnen nicht so unmenschlich, müssten wir sie eigentlich bedauern.

Vielen von ihnen, so scheint es zumindest,  ist das Lust-Gen abhanden gekommen. Das macht sich in der Denke, am Arbeitsplatz, im sozialen Leben, im Bett und sonstwo bemerkbar. Die von der Lust getriebenen schauen neugierig hinter die Kulissen, wollen verstehen was ihnen fremd ist, wollen den Spaß und die Freude ihres Leben mit anderen teilen; auf der Straße, am Arbeitsplatz, im Bett. Ihr Glück verschafft ihnen auch die Möglichkeit zu trauern, und wer das kann, den treibt es  montags nicht auf die Straße. 

Zum 20igsten Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung sprach der damalige Bundespräsident Christian Wulff folgenden weitgreifenden Satz: 'Der Islam gehört zu Deutschland'. Im Nachhinein betrachtet eine Sichtweise, die ihn womöglich das Amt gekostet hat. Darüber spekuliert wird schon seit langem. Fest steht, dass neben dem seit Urzeiten verankertem Judentum auch der Islam Bestandteil unserer Gesellschaft ist. Und das auch nicht erst seit gestern.

Am Versuch, die Reinheit unseres Volks zu vervollkommnen, sind wir Deutschen schon mal gescheitert. Kläglich und bis in alle Ewigkeit. Entsetzen, Bestürzung und Trauer darüber verbieten den Spaziergang durch Dresden und anderswo. Sollte sich die Geschichte wiederholen, in Ansätzen deutet einiges dahin, zerstören die Deutschtümler das, was sie eigentlich erhalten und schützen wollen: ihre Heimat. Mesut Özil dürfte kein Deutscher mehr sein, und Franck Ribéry nicht mehr für die Bayern spielen. Beides Islamgläubige, die auf beste Weise verdeutlichen, dass ohne das Bunte in unserem Land einiges recht dröge wäre.  

Cassius Clay, Cat Stevens, Michael Jackson, Ricardo Kaká; Islamgläubige, denen das Abendland eine tiefe Verbeugung erbrachte. Vorbilder und Helden, die wir uns zu eigen gemacht haben. Das zu wissen, ist schon mit wenig Bildung möglich. Vielleicht, und das wäre dann wirklich ganz schlimm, vielleicht liegt es eben aber auch daran.  

Vorweihnachtliches zum Nachdenken; geschrieben aus der Mitte der Gesellschaft.