Michael Schultz Daily News Nr. 831

Michael Schultz Daily News Nr. 831

Berlin, den 15. Dezember 2014

immer wieder montags beim Blick auf die Tabelle der Fußball Bundesliga kommt die demütigende Erinnerung daran, dass die Liga zweigeteilt ist: auf der einen Seite der scheinbar unschlagbare FC Bayern und auf der anderen Seite die restlichen 17 Vereine. Mit dem 4:0 Sieg in Augsburg sicherte sich die Münchener Übertruppe die Herbstmeisterschaft. Wenn es nach dem Willen von Karlheinz Rummenigge gehen sollte, müsste jetzt schon der Meistertitel in der Tasche sein. Doch ganz so einfach geht es dann doch nicht. Die Liga wehrt sich und in Wolfsburg, Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim wird viel Geld in die Hand genommen, um den Bayern Paroli zu bieten.

Wie dem auch sei, es wird wohl lange dauern, bis sich die Ungleichgewichte wieder einigermaßen einrenken. Den Bayern ist der gleichwertige Gegner abhandengekommen. Borussia Dortmund steht augenblicklich in der Tabelle auf dem 16. Platz und dieser würde am Ende der Saison zwar nicht den direkten Abstieg bedeuten, an den ja sowieso niemand glaubt, aber immerhin müsste man mit diesem Tabellenstand gegen den 3. der zweiten Liga in die Relegation gehen. Ein unvorstellbares Szenario.

Dass die Dortmunder nach wie vor Fußballspielen können, mitunter sogar recht gut, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Mannschaft ist die Intuition abhandengekommen. Man spielt zu viel mit dem Kopf. Die unablässigen Münchner Störfeuer über den Wechsel von Marco Reus haben viel Sand in das Getriebe des Vereins gestreut. Die Fußballer gehen verkrampft ans Werk, weil eben keiner so richtig weiß wer morgen noch im Kader ist. Ein genialer Schachzug aus München, mit dem sie nicht nur Unheil nach Dortmund gebracht haben, sondern eben auch viel Langeweile in die gesamte Bundesliga.

Häme hat bei der Betrachtung der Dortmunder Tabellensituation im Übrigen nichts zu suchen. Dafür hat uns der Verein in der Vergangenheit viel zu viel Freude bereitet.

Die wahren Fans orientieren sich bereits in der zweiten und dritten Liga. Dort geht es spannender zu und mit dem Zweitliga Spitzenreiter Ingolstadt drängt ein weiteres Mitglied aus der großen Automobilfamilie nach oben. Ob VW oder Audi, beide sind geschäftlich mit dem FC Bayern verbandelt. Zu hoffen bleibt, dass sie zu ernsthaften Gegnern heranwachsen. Dann erst wird man sehen, was Freundschaft wert ist und ob diese mit den Münchnern überhaupt geht.

Solange der FC Bayern die komplette Liga als Ausbildungsverein für sich in Anspruch nimmt, kommt kein Frieden ins Land. Vielleicht ändert sich das im Januar, wenn Uli Hoeneß als Knastfreigänger die Jungendabteilung auf Vordermann bringen will. Wünschen wir ihm, dass ihm dies gelingt und die Bayern in ferner Zukunft ihren Nachwuchs selbst großziehen. Dann erst wird sich zeigen, ob man in München Fußball wirklich versteht.

 

 

 

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