Michael Schultz Daily News Nr. 828

Michael Schultz Daily News Nr. 828

Berlin, den 10. Dezember 2014

wieder zu Hause in der Heimat ist man nach den an- und aufregenden Messetagen in Miami weder richtig angekommen noch richtig abgereist. Gedanklich beschäftigt man sich mit den noch zu Ende zu bringenden Messeerledigungen. Dazu gehört in erster Linie die Weiterbetreibung angebahnter Geschäfte, dazu gehört aber auch die Stabilisierung neuer Netzwerkpartner. Messe ist nicht nur Verkauf, auch wenn dies der Hauptgrund unserer Teilnahme ist. Auf den Kunstmessen pflegen wir Kontakte zu bisherigen Kunden, festigen unser Netzwerk zu Kollegen, Kuratoren und den Medien und schauen uns um wie das Angebot bei den Mitausstellern aussieht. 

Wegen der Vielfalt und der zahlreichen Messeveranstaltungen ist die Miami-Nacharbeit besonders zeitaufwendig, dafür im Verhältnis zu anderen Messen aber auch umso ertragreicher.

Von Beginn an war Miami zur Messezeit auch immer ein Auflauf der Schönen und Reichen dieser Welt. Unter ihnen viele Promis, die eine wie auch immer geartete Beziehung zur Kunst haben. Die Begegnung zwischen Michael Ballack und Bernd Kirschner wurde fotografisch festgehalten; am Auslöser stand der Maler Damian Stamer, und  schon entsteht ein Kunstwerk. Auch wenn das nicht so ernst gemeint ist, nicht wenige Amateurpaparazzi waren auf der Suche nach dem ultimativen Klick. Gesichtet wurden u.a. Jonny Depp, Leonardo di Caprio und Paris Hilton. Ob sie es auch wirklich sind; keiner weiß es genau.

Für ihre Messemitbeteiligungen schaffen viele Künstler speziell angefertigte Kunstwerke. So auch das Künstlerduo Römer + Römer, die sich für die 'Art Miami' was ganz Spezielles haben einfallen lassen: wandfüllend wurde eine 750 Zentimeter breite Situationsbeschreibung rund um die Duschkabine beim diesjährigen 'Fusion'-Festival auf Leinwand gebracht. Für die prüden Amerikaner eine Überraschung, viele von ihnen werden wohl nach der Bildbetrachtung ihre Meinung über Deutschland ändern müssen. Die meist gestellt Frage zu diesem Kunstwerk war, ob das denn in Deutschland normal wäre, dass man sich in aller Öffentlichkeit zum Duschen begibt. Das Großformat gehörte mit Sicherheit zu den meist fotografierten Messekunstwerken. 

Wegen seiner enormen Größe konnte das Werk nicht platziert werden, doch das ist wegen seiner Bedeutung kein Drama. Der Auftritt von Römer + Römer war beeindruckend, er wird sich sicherlich nachhaltig bemerkbar machen. 

Sozusagen aus dem Stand konnten Cornelia Schleime und Rebecca Raue die Herzen der amerikanischen Sammler erobern. Von beiden konnten jeweils mehrere Arbeiten in gute Hände gegeben werden; ein wahrlich starker Auftritt. Auch SEO und Andy Denzler, die in den vergangenen Jahren in Miami immer erfolgreich waren, wurden in den ersten Messestunden reserviert. Beide werden wohl in Zukunft auf dem amerikanischen Kunstmarkt weitaus präsenter sein als bisher. 

Feng Lu begeisterte mit seinen voller Sarkasmus sprühenden plastischen Arbeiten; die Bildwelt von Sabina Sakoh wurde mit großer Anerkennung aufgenommen; Bernd Kirschner überzeugte die eher Ruhigen und Nachdenklichen, und Timo Meyer war mit seinen 'Tannen'-Gemälden der Deutscheste im diesjährigen Messeangebot. Der sanfte Surrealismus in den Bildern von Maik Wolf erforderte einen langen Blick; der Zuspruch kam von der Ostküste. Die Besucher aus dem Westen der USA hingegen bevorzugen eher eine mit einfachen Märchen bepackte realistische Malerei.  

Alles in allem war unser diesjähriger Miami-Ausflug recht erfolgreich. Auf dem sogenannten Secondary Markt konnten wir Gerhard Richter, Gilbert & George und Frank Stella platzieren. Noch nicht alles fest, aber mit guter Aussicht darauf. 

Noch ist das Arbeitsjahr nicht ganz abgeschlossen: am Samstagabend gibt es in Coburg das legendäre Gänseessen. Mit Freunden, Künstlern und Mitarbeitern feiern wir den Jahresausklang. Ganz kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember, eröffnen wir mit Lee Leenam und einer Gruppenausstellung aktueller Kunst aus Italien unsere Weihnachtsausstellung. Dazwischen sind Kurztrips nach Wien und Brüssel auf dem Programm. Bei allen Feierlichkeiten endet auch für uns das Arbeitsjahr erst an Heiligabend. 

Bis dahin wird es noch viel zu berichten geben.