Michael Schultz Daily News Nr. 827

Michael Schultz Daily News Nr. 827

Berlin, den 9. Dezember 2014

 

für die dort übliche Schönwetterzeit war der vergangene Sonntag ein Tag wie jeder andere auch. Strahlendblauer Himmel, 28 Grad und ein leicht kühlendes, laues Lüftchen. Doch wer im Design District, dort wo es die größte Ansammlung unterschiedlicher Kunstmessen gibt, den Blick in den Himmel wagte, traute seinen Augen kaum. Der Luftraum wurde mit Unterstützung von Drohnen und einem halben Dutzend Hubschrauber überwacht. Jede Bewegung am Boden wurde per Satellitenkamera in die mobilen Polizeizentralen übermittelt; der Staat zeigte seine Allmacht. Ein erschreckendes Szenario. 

Vor dem Haupteingang der 'Art Miami' protestierten keine 150 Demonstranten gegen die Diskriminierung Schwarzer, im Besonderen gegen das brutale Vorgehen der Polizei. Immer wieder kommt es zu Übergriffen, bei denen sich die Schwarzen gegenüber den Weißen benachteiligt fühlen. Friedlich und zivilisiert proklamierten die Demonstranten Gleichheit für alle, unter ihnen mehr Weiße als Schwarze. Doch die Macht des Staates wurde erschreckend und angstmachend gezeigt. Im weiteren Umkreis um diesen kleinen Protestzug waren weitaus mehr Polizisten im Einsatz als Demonstranten vor Ort. Selbst Unbeteiligte fühlten sich durch die Polizeipräsenz provoziert und in ihren Rechten eingeschnitten.

Jeder, der zufällig in der Nähe der Demo von den Drohnenkameras erfasst und identifiziert wird, landet automatisch in der Verbrecherkartei der Behörden. Darüber, aber auch über die Unverhältnismäßigkeit der Mittel, regen sich die Amerikaner vehementer  auf, als über die von der Polizei getöteten Schwarzen. Im ganzen Land wird protestiert, und es scheint so, dass die Probleme durch die übermäßige Reaktion der Polizei eher noch verstärkt werden. Die wiederaufkeimende und allseits sichtbare Rassendiskriminierung kann zum großen Problem Amerikas werden. Dass dies unter der Regentschaft eines schwarzen Präsidenten so gekommen ist, hätte niemand für möglich gehalten.

Aber auch bei uns im Land gibt es eine Entwicklung, die vor einigen Monaten noch niemand für möglich gehalten hätte. Die CSU fordert, dass die in Deutschland lebenden Ausländer auch zu Hause Deutsch reden sollen. Dazu wurde ein Parteitagsantrag formuliert, der nach heftigen Protesten jetzt abgeschwächt zur Abstimmung vorgelegt werden soll.  Würde man in Bayern diese Forderung auch von der eigenen Bevölkerung erheben, würden gut 80% diese Grundforderung zur Migration nicht erfüllen. Unter ihnen auch der Ministerpräsident und viele seiner Politmitgestalter. Lange wird es nicht mehr dauern, dann fordert die bayerische Staatspartei von den in ihrem Grenzbereich lebenden Ausländern, bitte ihre Träume auch in Deutsch zu träumen. Die Blaupausen zur Umsetzung dieser Verordnung liegen bereits in den Schublanden der Staatskanzlei, hört man.

Gerade bei uns im Land spürt man immer mehr, wie schwer es ist, Fremder zu sein. Sobald man als der deutschen Sprache Mächtiger die Südprovinzen passiert, lassen einen die Sittenwächter nicht mehr aus dem Auge. Fremd zu sein im eigenen Land  gehört zu unserem Alltag. Gut möglich, dass dies der tiefsitzende Grund unserer überbordenden Angst vor allem Unbekannten ist. Tragisch an all dem aber ist die Tatsache, dass sich die CSU mit ihrer Sprachbeschränkung ganz weit an den braunen Rand der AfD annähert. Für die Befriedung der Gemüter war Aufklärung allemal hilfreicher als im Sumpf zu stochern. Man muss es nur wollen.