Michael Schultz Daily News Nr. 824

Michael Schultz Daily News Nr. 824

Miami Beach, den 4. Dezember 2014

in der Vergangenheit glichen die Eröffnungszeremonien der 'Art Basel Miami Beach' Blockbuster-Veranstaltungen, bei denen die Straßen im weiten Umfeld des Ausstellungsortes so gut wie ausgestorben waren.  Sobald das Convention Center für seine 'First Choice' Ehrengäste geöffnet hatte, diese dürfen bereits um 11 Uhr in der Früh die heiligen Hallen betreten, glich der Strandstreifen um die von Norden nach Süden verlaufende Collins Avenue einer Geisterstadt. Die sonst um diese Uhrzeit überfüllten Poollandschaften sind gähnend leer; die Hotelgäste orientieren sich rechtzeitig zum Superevent.

Modelagenturen nutzen die gastfreie Zeit und ziehen mit ihren Schönen in die Gärten der Strandhotels. Dort wird die Sommerkollektion des kommenden Jahres vorgeführt, und für Werbung und Kataloge in Szene gesetzt. Ein wenig gleicht der Ablauf einer Fließbandarbeit  - aber auch der Modemuffel kommt dabei auf seine Kosten. 

In diesem Jahr, und das ist die eigentliche Meldung des Tages, in diesem Jahr hat es die 'Art Basel'-Preview erstmals nicht geschafft, die vielen anderen Satellitenveranstaltungen leerzufegen.
Zur besten 'Basel'-Zeit waren die Ausstellungszelte im Wynwood District bestens gefüllt. Wir für unseren Teil hatten gestern überraschenderweise den bisher besten Messetag: Kunstwerke von Cornelia Schleime, SEO, Rebecca Raue und Andy Denzler konnten in gute Hände vermittelt werden. Reservierungen für die Kunst von Bernd Kirschner und Sabina Sakoh wurden ebenfalls erteilt. Einer der ertragsreichsten Nacheröffnungstage bisheriger Messeteilnahmen.

 

Als bestgeeignete Plattform für Öffentlichkeitsarbeit jeder Couleur bieten Kunstmessen ein optimales Forum. Hinter der Halloween Maskerade verbirgt sich eine (vermutlich) aus Deutschland stammende Künstlerin, die mit ihrer Botschaft auf ein bevorstehendes Ende menschlicher Körperlichkeit hinweist. Wortlos informiert sie per Flyer auf den Beginn der prophezeiten Glückseligkeit; ab 2017 beginnt sich ihr Geist aus der physikalischen Hülle zu befreien und im Jahr 2133 will sie von allen körperlichen Bedürfnissen erlöst sein. Ein langer, mühsamer Weg, den sie wohl ganz alleine mit sich begehen wird.
Drücken wir ihr die Daumen.  

 

Mit Papa und Mama auf Promotiontour war gestern auch die im Rollstuhl sitzende 'Mixed Media' Künstlerin Erin Fromkes. Auffallen um jeden Preis ist hier Devise. Auf die Frage nach ihrer Kunst bekommt man von der Rollstuhlfrau eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. That's all. Fröhlich ziehen die drei weiter und hoffen auf den nächsten Snapshot.

Zum meistfotografierten Kunstobjekt in Miami gehört in diesem Jahr wohl die aus Resin (Kunstharz) gefertigte 'Chiquita Banana' des amerikanischen Pop Art Künstlers Mel Ramos. Feilgeboten beim Wiener Kollegen Ernst Hilger, kostet die im Jahr 2007 entstandene Pop-Göttin 350.000 US-Dollar. Das Interesse ist groß. Für die als prüde verschrienen Amerikaner eine unverfängliche Möglichkeit, mit Hilfe eines Kunstobjekts ein wenig Fantasie in ihre Gedanken zu bekommen. Zeit wird's lange schon.

 

 

 

 

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