Michael Schultz Daily News Nr. 817

Michael Schultz Daily News Nr. 817

Köln, den 25. November 2014

hoch oben im Taunus gibt es viele kleine Dörfer, die heute völlig beziehungslos 'Ortschaften' genannt werden. Einst war das Dorf Treffpunkt bäuerlicher Aktivitäten; später wurden daraus die sogenannten 'Gemeinden' die ihre Bezeichnung wohl aus der Bibelstunde geerbt haben. Doch die Geister der kleinen Flecken sind entschwunden, weder aktive Bauern noch intakte Kirchen beleben den Zusammenhalt. Man wohnt auf dem Land, das tut man dort recht kommod und lebt in einer 'Ortschaft'.  

Im Gemeindehaus wird der Zusammenhalt gepflegt, dort treffen sich die Vereins- und Landgesellschaften zu ihren Jahresfesten. Jeder bringt sich ein, so er es kann, und so gut er will. Um mehr Power in die Region zu bringen, haben sich im Jahre 1971 einige der ehemaligen Taunusdörfer zusammengeschlossen und daraus eine Stadt gegründet. Das heutige Taunusstein ist ein Verbund von insgesamt zehn Ortschaften; Bleidenstadt ist mit seinen 7472 Einwohnern die größte und der Flecken Watzhahn mit nur 263 Einwohnern die kleinste. 

In Niederlibbach, einem weiteren Ortsteil von Taunusstein,  leben augenblicklich gerade mal 503 Menschen. Dort soll in Zukunft ein ansehnliches, feines Museum für aktuelle Kunst entstehen. Initiiert von den Sammlern Irene Haas und Ulrich van Gemmern, und von der kleinen Gemeinde mitgetragen, werden in der Taunusidylle zukünftig Einblicke in deren Sammlungsbestand gewährt. Darüber hinaus soll in regelmäßigen Sonderausstellungen der Fokus auf aktuellste Strömungen und Tendenzen zeitgenössischer Kunst gerichtet werden. Ein Kleinod, an dem der ganze Taunus seine Freude haben wird.

Noch befindet sich alles in der Planungsphase; doch bereits im kommenden Jahr will man mit der Realisierung beginnen. Eine Initiative voller Leidenschaft, die bestens dafür geeignet ist,  den Bazillus des Kunstsammlers bis in die kleinsten Ecken unserer Gesellschaft weiter zu verbreiten.  Hut ab. 

 

Sichtlich erschöpft, aber dennoch voller Freude: die Goldmedaillengewinner der diesjährigen Weinolympiade. Bis zur absoluten Selbstaufgabe kämpfte sich das im Rhein-Main-Gebiet stationierte 'Patchwork Novizen Team' zum Sieg. In den Klassen 'Sparkling', 'White', 'Red' und 'Sweet' wurden jeweils Bestmarken gesetzt. Sogar der Jahrgang des Dessertweins wurde richtig erkannt. 100 Punkte für die Sieger; mehr geht sogar bei Parker nicht.

Aufgrund ihrer langjährigen und intensiven Trainingsarbeit hat sich die gesamte Mannschaft auch für die nachfolgenden Paralympics qualifiziert. Für die Nominierung ausschlaggebend sind die vielen, und zum Teil schweren Verletzungen, die sich die Sportler in ihrer Trainingsarbeit zugezogen haben.

Sofort im Anschluss nach der Siegesfeier wurden die ersten Späher der Werbebranche aktiv. Die Begehrlichkeit ist enorm.  Noch hält sich das Team bedeckt, doch in der Branche geht man davon aus, dass die langjährige und konfliktlose Partnerschaft mit der Close Brothers Seydler Bank fortgesetzt wird. Deutliche Signale wurden bereits in der Siegesnacht vom Bank-Vorstandsvorsitzenden René Parmantier ausgesendet.  

Dennoch, nach diesem eindrucksvollen Goldgewinn wird der Werbepartner um eine Aufstockung der Zuwendung nicht herumkommen. 'Das tun wir gerne. Bei den Olympiasiegern auf der Brust - eindrucksvoller kann sich unser Unternehmen in der Öffentlichkeit nicht darstellen', wurde in einer ersten Stellungnahme bekanntgegeben. 'Neben der Eintracht hat sich in Frankfurt ein neues Spitzenteam etabliert. Aus dem Stand zur Weltspitze, so sehen Gewinner heutzutage aus. Diese begleiten wir auch in Zukunft gerne', gab die Bank noch in der Nacht bekannt.

Aus dem Kultur- und Sportministerium wurde heute früh veröffentlicht, dass man mit der Nachwuchsarbeit künftig stärker in die Breite gehen will.  In den Oberstufen der hessischen Schulen wird Weinkunde ab dem kommenden Schuljahr zum Pflichtfach. Die dafür entstehenden Mehrkosten wurden in einer sofort einberufenen Sondersitzung des Landeshaushaltsausschusses mit nur einer Gegenstimme (Linke) durchgewunken.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aus dem Goldgewinn des Novizen Teams erhofft sich die Schulbehörde weitere Impulse; die Mannschaft selbst legt bereits heute Abend ihre erste Trainingseinheit ein. 'Nach dem Sieg ist vor dem Sieg', unter diesem Motto wollen wir in den kommenden Jahren abräumen was es abzuräumen gibt', prophezeite Mannschaftskapitän Ingo Söngen. 'Die nächste Dekade gehört uns; die Goldmedaille war nur ein kleiner Anfang'. Ihre harte, schwere und langjährige Trainingsarbeit zahlt sich jetzt aus. 'Ruhe- und rastlos werden wir die Feinjustierung unserer Technik weiterentwickeln, und mit diesem Sieg im Rücken erobern wir die Welt. Nichts wird uns mehr aufhalten', gab der Teamkapitän in einem ersten Interview mit stolzer Brust von sich.  

Ja, so sehen Gewinner aus; selbstbewusst und unerschütterlich. Die erste Sportart, in der es keine Dopingkontrollen gibt. Wegweisend für die Weiterentwicklung des internationalen Spitzensport.