Michael Schultz Daily News Nr. 816

Michael Schultz Daily News Nr. 816

Frankfurt, den 24. November 2014
 
den Ausstellungsmarathon der vergangen Woche haben wir schadlos überstanden. Zwar ein wenig müde, aber im Kern sind wir gesund geblieben. Die Energie der Künstler und ihrer Kunst hat sich auf uns übertragen, und so wurde daraus eine tolle Woche.
 
SEOs Auftritt in Stockholm ist eine Augenweide: mit ihrem Rückgriff auf das Reisfeld und der konsequenten Weiterführung der von ihr geprägten Papiercollagen ist ihr ein großer Wurf gelungen. Die Ausstellung in der Wetterling Gallery liefert aber auch den Beweis, dass es in der Arbeit der Künstler Positionen gibt, auf die sie immer wieder zurückgreifen, an denen sie sich ein Leben lang abarbeiten. Bei SEO, so scheint es, sind es die Erinnerungen an ihre koreanische Heimat.
 
Am vergangenen Samstag eröffneten wir in unseren beiden Berliner Galerien Atelierfrisches von Stephan Kaluza und einen Überblick über die Malerei von Bernd Schwarzer. Beide Ausstellungen, so unterschiedlich sie auch sind, erfuhren guten Zuspruch. Seit langem schon begleiten wir den künstlerischen Weg von Stephan Kaluza, der nach Meinung nicht weniger zu den besten und vielseitigsten Malern unserer Gegenwart gehört. In seiner aktuellen Ausstellung konzentriert er sich auf die Wiedergabe landschaftlicher Impressionen. Fotorealistisch und in schwarz weiß festgehalten vermitteln sie eine Draufsicht, bei der sämtliche Irritationen weggelassen wurden. Sicht pur sozusagen.
 
Bernd Schwarzer hingegen greift gerne und tief in den Farbtopf. Seine pastos und fein aufgetragenen Farbliniengemälde erfordern bei der Betrachtung allerhöchste Konzentration. Sobald die Blickschärfe nachlässt, verschwimmen die dicht an dicht angelegten Furchen und gehen ineinander auf. Konfusion und Verwirrung entsteht, die mit der Nachjustierung schnell wieder entschwinden. Malerei, die aus der Seele kommt.

 

Die Ausstellungseröffnungen von Andy Denzler und SEO im Koblenzer Ludwig Museum waren gestern sehr gut besucht. Sammler und Freunde der Künstler sind zum Teil von weit her angereist. Für die Museumsdirektorin Beate Reifenscheid war das diesjährige Ausstellungssaisonfinale ein besonderes Highlight. In ihrer Rede betonte sie die Bedeutung der beiden Künstler, die mit ihrer Reflektion auf das Tempo in unserem Leben die Zeit zwar nicht anhalten können aber die Menschen zum Innehalten und Nachdenken bewegen.

Ganz großen Bahnhof gab es gestern in Koblenz. Zum Jahresabschluss eröffnete das Ludwig Museum mit Andy Denzler und SEO, zwei der ganz wichtigen Protagonisten aktueller Kunst. Das Haus war zur Eröffnung gut gefüllt; Kunst und Künstlerfreunde kamen aus Madrid, Amsterdam, London, Zürich und von überall her angereist. Martin Hoffman, Intendant der Berliner Philharmoniker, sprach in seiner Eröffnungsrede über SEOs unerlässliche Bemühungen, die beiden Kulturen die sie in ihrem Herzen trägt, miteinander so zu verbinden, dass daraus eine Einheit wird. Beate Reifenscheid, die Koblenzer Museumsdirektorin, konzentrierte sich in ihrer Rede auf die Vielschichtigkeit und das Prozesshafte im Werk von Andy Denzler. Seine Malerei hat ihren Ursprung in der Beobachtung, der fotografisch festgehalten beim ersten malerischen Schritt die Schärfe verloren geht, die er ihr aber in einer sogenannten Nass in Nass-Weiterverarbeitung teilweise wieder zurückgibt. Bilder, die im Kopf des Betrachters weitergemalt werden.

 

 

Mit dem 'Gefühl aus meinem Inneren' hat SEO ihre raumgreifende Museumsinstallation betitelt. Größe, Anzahl und Postion der Glocken wurde exakt auf den Ausstellungsraum konzipiert. Ein technisches wie auch inhaltliches Meisterwerk.

 

Vier Ausstellungseröffnungen in einer Woche, und wenn man die am vorvergangenen Samstag eröffnete Istanbuler Ausstellung von Bernd Kirschner hinzurechnet, waren es genau genommen sogar fünf. Das muss logistisch bewältigt werden, und das geht nur mit einem professionellen Team. Das haben wir, und darauf sind wir stolz. Danke euch.
 
Am Samstag dieser Woche geht es zum Messefinale nach Miami. Mit dabei haben wir die Kunst von: Andy Denzler, Feng Lu, Gilbert & George, Bernd Kirschner, Timo Meyer, Sigmar Polke, Rebecca Raue, Gerhard Richter, Römer + Römer, Sabina Sakoh, SEO, Frank Stella und Maik Wolf. Doch auch danach ist für uns das Jahr noch nicht zu Ende. Am 20. Dezember eröffnen wir mit Lee Leenam und aktueller Kunst aus Italien unsere letzten beiden Berliner Ausstellungen. Ein aufregendes und erfolgreiches Jahr, das können wir schon jetzt behaupten.

 

 

Zu den Weltreisenden unter den Künstlern gehört auch Burkhard Held. Heute früh erreichte uns sein Fotogruß aus dem Süden Chinas. Aufgenommen im gelben Gebirge. Mit seinen 72 Gipfeln wurde die Oase der Sinnlichkeit bereits 1990 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Für Romatiker gibt es wohl keinen besseren Platz, den Tag zu beginnen; selbst Caspar David Friedrich hätte seine Freude daran gehabt.

 

Aus China erreichte uns heute ein Ruf in die Heimat von Burkhard Held. Diesem hat er ein traumhaftes Landschaftsfoto angehängt. Ein Hochgenuss für alle Romantiker unter uns.
 
 

 

 

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