Michael Schultz Daily News Nr. 815

Michael Schultz Daily News Nr. 815

Koblenz, den 21. November 2014

der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer will bei der nächsten Landtagswahl für seine CSU die absolute Mehrheit einfahren. Doch das geht nur, wenn sich die Staatspartei auf die Nöte und Sorgen ihres Stammklientels konzentriert. Die großen Themen dabei sind u.a. die absolute Untersagung der Schwangerschaftsunterbrechung, der Länderfinanzausgleich und neuerdings jetzt auch noch die Frauenquote. Im Bildungsministerium sitzt der CSU-Politiker Stefan Müller, ein bayerischer Staatsminister, und dieser fordert doch tatsächlich, dass bei der Einführung der Frauenquote neue Maßstäbe gesetzt werden sollen.

Seit langem schon beschäftigt sich die Berliner Regierungskoalition mit der Einführung einer Quote, in der 30% der Positionen in Aufsichtsräten großer Unternehmen durch Frauen besetzt werden sollen. Auch will man die Führungsetagen weiterer rund 3.500 Unternehmen künftig stärker durch Frauen besetzen.

Doch der CSU ist dies zu wirtschaftsfeindlich, der Staatssekretär sagte hierzu: 'Es hilft ja schließlich niemandem, am wenigsten den Frauen selbst, wenn am Ende nach der Devise verfahren werden müsste, dass die Quote vor der Qualität steht'. Seiner Ansicht nach sei die Besetzung von Gremien häufig an Aufgaben gebunden. 'Es wäre lebensfremd und einer effizienten Erledigung der Sacharbeit nicht zuträglich, solche Gremien einer fixen Quotenregelung zu unterwerfen.'

Weil sich die CSU das feminine Führungspersonal nicht in Gänze vergraulen will, schlägt man ein Stufenmodell vor, in dem die Realisierung der Quote ausgetestet wird und die Unternehmen flexibler drauf reagieren können. Müller will mehr Frauen in den Führungsetagen, aber bitte nicht mit der Brechstange, und das ist pure CSU-Taktik. 

Unter dem Strich trauen die Christsozialen den Frauen in unserer Gesellschaft die Führung derer offensichtlich nicht zu. Gut möglich, dass dies auch der Grund ist, warum die CSU-Granden immer wieder mit der Kanzlerin hadern. Im konservativen Bayern steht der Mann über allem, der Frau belässt man Hoheitsrechte wenn überhaupt dann nur zu Hause. Alles andere regelt er.

Ein weitverbreitetes Frauenbild, das leider nicht nur in Bayern praktiziert wird. In der Kunstwelt hat sich seit langem herumgesprochen, dass  Frauen, im Besonderen wegen ihrer feiner verästelten Sensibilität, den männlichen Kollegen mindestens gleichgestellt sind. Solange man in unserer aufgeklärten Welt überhaupt noch darüber nachdenken muss, ob Frau oder Mann einen Job bekommt, solange steckt der Geschlechterpfeil ganz tief im Inneren unserer Seele. Die Frauenquote würde ein wenig an ihm rütteln - zu hoffen bleibt, dass sich die CSU mit ihrer Abschwächungstaktik nicht durchsetzt.

In der Schweiz hatte man bisher erkannt, dass die Arbeit der Frauen weitaus härter und zehrender als bei den Männern ist. Deshalb gilt dort die Verrentung bei den Frauen ab dem 64igsten und bei den Männern ab dem 65igsten Lebensjahr. An diesem kleinen Vorteil wird gerade stark gerüttelt, der Protest dagegen ist vehement,  jedoch nicht nur bei den Frauen.

Woanders in der Republik hat man andere Probleme. Die Berliner haben diese mit ihrem neuen Flughafen, der nimmersatte Moloch kostet die deutschen Steuerzahler schon jetzt weit mehr als fünf Mrd. Euro. Mit dem Geld, das bisher in den BER geflossen ist, könnte man den Flughafen Berlin-Tegel für 50 Jahre weiter betreiben. Umgerechnet sind die Kosten so hoch wie mehr als sechs Mio. Kita-Plätze oder vier Berliner Hauptbahnhöfe kosten würden. Über 30.000 Meter Autobahn hätte man auch mit dem Geld bauen können. Ein Ende scheint weder zeitlich noch finanziell in Sicht. Aufrechnungen, die von den Gegnern gestern bekanntgegeben wurden. Auch wenn diese öfter ausgewechselt wurden, an der Spitze des Errichtungskonsortiums stand immer ein Mann. Zeit zum Nachdenken.

Schlussendlich möchten wir noch auf unsere Ausstellungen hinweisen: morgen Abend von 19 bis 21 Uhr in Berlin Stephan Kaluza und Bernd Schwarzer, und am Sonntag um 11 Uhr im Ludwig Museum Koblenz die beiden Einzelausstellungen von SEO und Andy Denzler. 

Wir freuen uns auf Euren Besuch.