Michael Schultz Daily News Nr. 797

Michael Schultz Daily News Nr. 797

Berlin, den 28. Oktober 2014
 
die Kölner Schlacht zwischen den Hooligans und Polizei vom vergangenen Sonntag beherrscht auch heute wieder die Titelseiten der Tagespresse. 'Bild' klärt seine Leser über das wirkliche Gefahrenpotential der rechten Truppe auf; die 'Süddeutsche' sucht nach Erklärungen, warum die Politik die Gefahr bisher unterschätzte; bei der 'Welt' ist man gar der Ansicht, dass Hooligan Demos künftig verboten werden sollten, und die 'taz' beschreibt die Vorgänge nüchtern und sachlich, so wie sie waren: Den Hooligans geht es um die Eroberung der Straße. Wer dort das Sagen hat, ist Chef im Land.

Zu befürchten ist, dass mit dem Kölner Aufmarsch der Startschuss für einen heißen Herbst gegeben wurde. Weitere 'Veranstaltungen' sollen in Berlin, Hamburg, Frankfurt und anderen deutschen Großstädten bereits in Planung sein. Der Kampf gegen die Salafisten ist dabei nur vorgeschoben, den Hoolies geht es um die Teilnahme an der Macht ihrer bürgerlichen Vertretungen. Damit gemeint ist in erster Linie die NPD, aber auch der braune Flügel der AfD. Die politischen Hassprediger im ultrarechten Spektrum unserer Parteien machen solche Aufmärsche erst möglich.

Um dies in Zukunft zu verhindern, muss die politische Schraube recht tief angesetzt werden. Auch das Heiligtum unserer Verfassung, die Versammlungsfreiheit,  darf dabei nicht unangetastet bleiben. Wer unter dem Deckmantel der Demokratie den Staat dermaßen in seine Schranken weist,  muss mit der Aberkennung seiner demokratischen Grundrechte belangt werden. Anders ist dem Pöbel nicht beizukommen.

Die Kölner Bürger wiederum liefern bereits pragmatische Vorschläge: Ein nächstes Zusammentreffen der Brutalos sollte auf den unbewohnten Rheinwiesen organisiert werden. Für die Zuschauer am besten in direkter Nähe einer Straßenbrücke. Dort könnten sich die Kontrahenten selbst erledigen und sich unter dem Gegröle des Volkes die Köpfe einschlagen. Am Ende gäbe es auch noch Arbeit für das Rote Kreuz und die notleidende Bestattungsbranche. Bei dieser Vorgehensweise bliebe sogar das Grundgesetz verschont. 
Am Abend nach der Schlacht war die Kölner Innenstadt wie ausgestorben. Viele Bürger verschanzten sich in ihren Wohnungen, und die sonst immer überfüllten Kneipen waren gespenstisch leer. Live-Schaltungen privater Fernsehsender brachten den Terror direkt in die Wohnstuben. Noch am späten Abend wurden die Domplatte und der direkt daran anschließende Hauptbahnhof von der Polizei geschützt. Der Nah- und teilweise auch der Fernverkehr kamen zum Erliegen. Ein Chaos auf das wir gerne verzichten können. 

Auch wenn es schwerfällt jetzt den Übergang zu finden: Die Domstadt war bis gestern auch noch der Austragungsort der 'Art Fair', einer innovativen Kunstmesse mit dem Fokus auf ganz junge Kunst. Bis einschließlich Sonntag waren die Messehallen stets gut gefüllt; lediglich gestern, und das lag wohl an der Schockstarre, in der sich Köln derzeit befindet, blieb der Ansturm aus.

Wir für unseren Teil sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Im direkten Messegeschäft konnten wir einundzwanzig Kunstwerke weitervermitteln, und das ist nicht so schlecht. Einiges wird sich noch im sogenannten Nachgeschäft ergeben: In Deutschland gibt es keinen besseren Handelsplatz für Kunst als  Köln. Die feinverästelte Sammlerstruktur garantiert Neugier und Zuspruch - letztlich Umsatz.

In Frankfurt, so dröhnt es gerade aus einigen Lautsprechern, in Frankfurt wollen einige Unverdrossene im Januar kommenden Jahres eine neue Kunstmesse auf die Beine stellen. Mit Spott und Gelächter reagiert die Branche darauf. Warum soll ausgerechnet dort, wo die Banken ihre Mainstores betreiben, auch genügend Geld für Kunst ausgegeben werden, fragt man sich sogar am Main. Die Geldhäuser vertreiben ihre eigenen Produkte. Diese sind zwar bei weitem nicht so profitabel wie Anlagen mit  Kunst, dafür aber haben sie die  erfolgreicheren Vertriebsleute.
Geld und Kunst sind naturgemäß keine Feinde.  Dort allerdings, wo sich Angebot und Zielgruppe überschneiden, liegen die Marketingstrategen der Bankhäuser weit vorne. Aggressiv werden die Geldprodukte in die Portfolios der Kunden gepresst. Wenn am Ende nichts mehr übrig bleibt, lag es an der Gier derer. Aktien, die nichts mehr wert sind, nimmt keine Bank zurück. Anders im Galeriengewerbe: Seriöse Kunsthändler garantieren ihren Kunden für festgelegte Zeiträume die Rücknahme zum Ausgabepreis. Und weil es anständiger kaum geht, ist der Kunsthandel für viele Banken ein Dorn im Auge. Dort wo Banken versucht haben mitzumischen, sind sie mangels Erfahrung kläglich gescheitert.

Die alteingeführte Handwerkerweisheit, dass der Schuster bei seinen Leisten bleiben soll, gilt auch für das Geschäft mit der Kunst. Für den Einzelhandel gleichermaßen wie für Messemacher. Mit dem Finger über die Landkarte streichen alleine, reicht nicht.  London, wo ja bekanntermaßen auch viel Geld geparkt wird, erreichte erst dann Marktstärke, als das Umfeld verändert, die Banken zu Partnern und viele Maßnahmen ergriffen wurden. Ein langwieriger Prozess, in dem Energie, Geld und Sachkenntnis investiert werden muss.
Vertrauen und Seriosität ist das A und O des Kunsthandels. Das kann man sich nicht erkaufen, das hat man oder nicht. 

 

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