Michael Schultz Daily News Nr. 795

Michael Schultz Daily News Nr. 795

Köln, den 24. Oktober 2014

 

in Köln am Rhein, und das konnten wir beim Besucheransturm zur Messeeröffnung gestern Abend zuhauf erleben, in Köln am Rhein dort lebt und wirkt der Gentleman der alten deutschen Nachkriegsschule. Die Herren tragen die Handtaschen der Damen, und das tun sie mit emanzipierter Selbstsicherheit, so als ob sie in ihrem Leben nie was anderes getan hätten. Die Älteren unter ihnen tragen lang am Henkel, die Jüngeren gehen mit der Zeit und halten das Täschchen lässig und kurz in der Armbeuge.  

Der Dienst an der Tasche gilt im Rheinland, deutlich stärker als anderswo in unserem Kulturkreis, als öffentlicher Nachweis  liebevoller männlicher Unterwerfung. Zum weiteren Beweis ihrer Zurückhaltung lassen die Taschenträger ihren Angebeteten gerne den Vortritt, und gehen in der Regel einen halben schritt hinter ihnen. In der Psychologie benennt man dieses Phänomen als Lustwandeln, an dem beide Partner in ihrer jeweiligen Rolle angenehm erotische Gefühle verspüren. Die Hardcore Pärchen unterscheiden sich auch noch am Schuhwerk. Sie trägt schwarz und kniehoch, und er bevorzugt die mattpolierten Halbschuhe. Beide gut geputzt.

Bei der Kontaktaufnahme ist es unabdingbar, die Blicke zuvorderst an sie zu wenden; tut man das nicht, kann das schlimme Folgen haben. Alles geht über sie - er kommt erst dann zum Einsatz, wenn sie ihn deutlich dazu auffordert. Vielleicht ist das gute alte Schule, von der wir Spätgeborenen immer mal wieder was hören; vielleicht ist es aber nur der Fetisch, oder gar nur überbordende Höflichkeit. Auf jeden Fall sieht es schon recht komisch aus, wenn am Handgelenk eines Zweimeterhirsches longline eine aus der Zeit gekommene Pradatasche hängt. Noch schlimmer, und da schließt sich der Kreis wieder, sind allerdings die unter der Bezeichnung 'Detlef' in die Kulturgeschichte eingegangen Kurzhand-Herrentaschen. Ein Accessoire für den Herrn, der die Beziehung zu ihm bevorzugt. Immer wieder gerne gesehen.

 

Leider geben die Lichtverhältnisse nicht wirklich her, wie aufregend uns unser Stand auf der diesjährigen Kölner 'Art Fair' gelungen ist. Zum gestrigen Auftakt war ganz Köln unterwegs. Entsprechend war die Kauflaune in den neu angelegten Messehallen. Großes Interesse gab es für die Bleimantel-Lindenholz-Skulptur von Jean-Yves Klein. Eine feste Reservierung lässt hoffen, dass das Werk in Köln eine neue Heimat finden wird. Sabina Sakoh, Feng Lu, Malgosia Jankowska, Damian Stamer, Monika Sigloch und Johanna Flammer, all die jüngeren in unserem Programm werden mit Interesse beobachtet. Unser Konzept, vorwiegend mit den ganz jungen aufzuschlagen, ist damit zur größten Zufriedenheit aufgegangen.

Wegen anhaltender Computerprobleme und damit die pünktliche Zustellung gewährleistet wird, brechen wir die News für heute hier ab. Am Montag dafür wieder mehr.