Michael Schultz Daily News Nr. 685

Michael Schultz Daily News Nr. 685

Rosenberg, den 23. Mai 2014
 
Liebe Freunde,
 
bei der Trauerrede für den verstorbenen Kunstsammler Cornelius Gurlitt wurde ausgeplaudert, dass derzeit lediglich nur acht Kunstwerke aus seiner umfassenden Sammlung unter Raubkunstverdacht stehen. Bekanntgegeben hat dies sein Betreuer Christoph Edel, ob noch weitere Werke dazukommen, muss die laufende Forschung ergeben. Gurlitt, der monatelang im Zentrum einer der größten Kunstsensation seit Jahrzehnten stand, verstarb vermutlich aus Gram über die Flut grober Verdächtigungen. Die Begehrlichkeit von Staat kannte in seinem Fall keine Gnade, vieles in dem Vorgang würde heute einer rechtsstaatlichen Prüfung nicht standhalten. Gurlitt, und das muss man ihm letztlich zugute halten, gibt, wenn es denn dazu kommt, Bilder aus der von seinem Vater übernommenen Sammlung freiwillig an die Erben der Vorbesitzer zurück. Sein schwaches Herz hat verhindert, dass es dafür den Dank erleben kann.
 
Am Dienstag dieser Woche wurde in der Berliner Akademie für Künste zum 54. Akademiegespräch geladen. Unter dem Motto ˈVerteidigt die Kultur! Das Freihandelsabkommenˈ  wurde darüber debattiert, welche nachteiligen Konsequenzen für Kunst und Kultur sich aus der ˈTransatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) ergeben könnten. Mit auf dem Podium saß auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Sie ermahnte die Bundesregierung zur Vernunft und erinnerte daran, was wir bei einer zollsteuerlichen sowie einer Förder- und Zuwendungsgleichstellung mit ordinärer Handelsware alles aufs Spiel setzten: Deutschland verfüge über die höchste Theaterdichte des Planeten, die deutschen Museen zählten jedes Jahr mehr Besucher als alle Bundesligastadien zusammen, und jedes zweite Profiorchester befinde sich auf deutschem Boden. Künstler und Intellektuelle können nur dann kritisch sein, wenn sie nicht unmittelbar gefallen müssten.
 
Die ˈFAZˈ ist zu diesem  Thema der Meinung, dass es auch amerikanischen Künstlern ganz ohne staatliche Förderung gelänge, exzellente Literatur, Musik und Filme hervorzubringen und die europäische Subventionskultur deshalb vielleicht weniger schützenswert sei. Dieser Gedanke ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Doch grundsätzlich sind die europäischen Fördersysteme wie z.B. bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, und diese stehen auf dem Spiel, von Qualität und Auftrag mit dem amerikanischen Privatsendern nicht vergleichbar. Nicht zu vergessen, dass der größte Teil der staatlichen Kulturinvestitionen dafür sorgt, dass auch  strukturschwächere Regionen Hochkultur im Spielplan ihrer Bühnen, Musikhäuser und Museen anbieten können.
 
Zwischen der USA und Deutschland gibt es annährend 150 sogenannte bilaterale Verpflichtungserklärungen. Der Bundesregierung ist es bisher jedoch stets gelungen, die Bereiche Kultur, Medien und Urheberrecht von der Marktliberalisierung auszunehmen. Beim TTIP, so sieht es zumindest aus, ist dies bisher nicht der Fall. Doch unsere Kulturstaatsministerin kämpft um die Erhaltung der Freiräume unserer Kultur. Wenn es sein muss, auch gegen die Interessen ihrer eigenen Regierung. Besser kann man Politik kaum machen.
 
Mit dem erstmals in diesem Jahr verliehenen Oskar-Schlemmer-Preis wurde die in Düsseldorf lehrende und in Berlin lebende Malerin Katharina Grosse ausgezeichnet. Der ˈGroße Staatspreis für Bildende Kunstˈ ist mit 25.000 Euro dotiert und mit einer Preisträgerausstellung verbunden. In der Jurybegründung wurde auf ihre ˈstarke Positionˈ innerhalb der internationalen Gegenwartskunst hingewiesen. Gute Entscheidung.
 
Das Hohenloher Land, ganz in der Nähe der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart,  ist kulturell geprägt durch ein großzügiges Mäzenatentum des Schrauben-Milliardärs Reinhold Würth. Sein Haus selbst zeigt in den betriebseigenen Museen  in Künzelsau und Schwäbisch Hall Kunstaustellungen allerhöchster Qualität. Er unterstützt regionale Theaterhäuser, städtische Orchester, Literaturveranstaltungen und viele Kleinbühnen der Region. Selbst den entlegensten Dörfern verhilft der Mäzen zu Hochkultur. Würth ist der Inbegriff eines großzügigen und mit seiner Region eng verhafteten Mäzens. Viele Künstler haben sich in diesem Umfeld angesiedelt, andere wurden durch die Aktivitäten aus dem Hause Würth infiziert. Der Kultur den wichtigsten Platz im Leben zu bieten, ist in der Hohenlohe angekommen und einzig und alleine Verdienst von Reinhold Würth.
 
Seine guten Taten stecken an. Nirgendwo in unserer Republik ist die Bereitschaft zur Unterstützung für die Erforschung und Pflege heimischer Kultur so ausgeprägt wir im östlichen Zipfel von Baden - Württemberg. Und, dass man dort auch gut essen kann, ist weithin bekannt. Der Landgasthof Adler in Rosenberg gehört zwar geografisch nicht mehr zu den Hohenlohern, doch essen kann man dort vom Allerfeinsten: Kutteln mit Räucheraal, Gaisburger Marsch, Kalbslende mit Grießschnitte, Kartoffel-Blutwurstauflauf, Käsespätzle, usw. usw. usw.  Eine dringende Empfehlung für jeden, der gerne und gut isst.
 
Die Reise geht heute weiter nach Satteldorf. Dort werden die Steinbrüche und Ateliers der kunstsinnigen Unternehmerfamilie Hippelein besucht. Danach geht es weiter nach Regensburg, um dort am Abend die Ausstellung der Künstlerinnen Monika Sigloch, Iris Wöhr-Reinheimer, Silke Mathé und Ruth Grünbein zu eröffnen (Kunstkabinett Regensburg, Untere Bachgasse 7, 93047 Regensburg, 20 Uhr).
 
Zu den Daylies vom Mittwoch dieser Woche (Schenkungssteuer) gab es enormen Rücklauf. Ausschließlich positiv. Eine kleine Anmerkung eines bajuwarischen Steuerexperten wollen wir nicht vorenthalten: Freibeträge für Schenkungen laufen alle 10 Jahre aus. Wer es also länger als 10 Jahre in einer Beziehung aushält, kann zumindest bei der Steuer nochmal von vorne anfangen. Danke für den Hinweis.
 
Schönes Wochenende.

Michael

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