Michael Schultz Daily News Nr. 674

Michael Schultz Daily News Nr. 674



Venedig, den 8. Mai 2014

Liebe Freunde,

kaum ist der alte Mann gestorben, gibt es ein erstes Gerangel um den Kunstschatz. Cornelius Gurlitt hat seine unbelasteten Werke per Testament dem Kunstmuseum in Bern vermacht, darüber war man dort sehr überrascht. Nach Auskunft des Museums gab es davor keinerlei Kontakt zwischen dem Museum und dem Sammler. Die 'Nachricht sei wie ein Blitz aus heiterem Himmel eingeschlagen', hieß es aus dem Museum. In einer Erklärung zeigten sich die Berner dankbar, man verwies jedoch darauf, dass die Schenkung dem Haus 'erhebliche Verantwortung und eine Fülle schwierigster Fragen rechtlicher und ethischer Natur aufbürde.' Der Wert der Sammlung ist schwer einzuschätzen, Experten nennen ihn zwischen 25 und 35 Mio. Euro. Das bayrische Kulturministerium will nun das Vermächtnis auf seine Bedeutung für das deutsche Kulturgut überprüfen. Entsprechende Werke würden dann auf die Liste mit national bedeutendem Kulturgut gesetzt. Dies würde eine Ausfuhr in die, der EU nicht angeschlossene, Schweiz behindern. Gut möglich, dass der Eigenbrötler Gurlitt sein Erbe nur deshalb an eine ausländische Institution vermacht hat, um dem deutschen Staat seinen Ärger über die Beschlagnahme kundzutun. Wem auch immer Gurlitt seine Bilder vermacht hätte, Schelte gehört zum Nachlass dazu. Die 'Süddeutsche' bezeichnet das Geschenk als 'hässliches Erbe' und aus der Schweiz ist zu hören, dass die 'guten Werke zurückgegeben werden müssen und die schlechten das Depot verstopfen'. Gurlitt und kein Ende.

Auf der diesjährigen Nominierungsliste für den renommierten 'Turner Prize' sind nach Angaben der ARD ausschließlich im internationalen Kunstgeschehen unbekannte Künstler gelistet. 'Unter den Bekanntgegebenen befinden sich keine großen Namen und keine Vertreter traditioneller Kunstgattungen wie Malerei oder Bildhauerei', schreibt der Sender auf seiner Textseite dazu. Der 30 jährige Videokünstler Duncan Campbell ist der jüngste der fünf Anwärter. Daneben können sich u.a. die Textildruckerin Ciara Phillips und die Performance-Künstlerin Tris Vonna-Michell Chancen ausrechnen. Im Ranking bei artfacts.net gegengecheckt, ergeben sich für die Künstler folgende Positionen: Duncan Campbell: Rank 1967; Ciara Phillips: Rank 8129; Tris Vonna Michell: Rank 900. Unter rund 350.000 gelisteten Künstlern ist das so schlecht nicht. Die im Dezember verliehene Auszeichnung ist mit 25.000 britischen Pfund dotiert.

In New York begann gestern der Auftakt zum diesjährigen Frühjahrsauktionsmarathon. Unter den Hammer kam die Klassische Moderne und Christie's konnte mit einem Gesamtergebnis von 285,9 Millionen Dollar gut punkten. Gut bezahlt wurde mit 27 Mio. US-Dollar für einen Monet; für ein Picasso-Porträt von Dora Maar wurden 22,6 Mio. US-Dollar genehmigt. Ein Großteil der Kunstwerke stammen aus der im Rheinischen Langen ansässigen 'Langen Foundation'. Bei Sotheby's stehen heute weitere 14 Picasso-Bilder zum Verkauf.

Wenn es nach dem Willen von Wladimir Putin geht, dann soll das für Sonntag angesetzte Referendum über die Unabhängigkeit der Ostukraine vorerst abgesagt werden. Zunächst solle ein runder Tisch mit allen am Konflikt beteiligten Parteien die Situation beruhigen, und dann könne erst abgestimmt werden, sagte der russische Präsident gestern Abend. Die Separatisten wollen heute über den Vorschlag beraten, in der Bevölkerung aber will man am Referendum festhalten. Die Regierung in Kiew sprach von 'heißer Luft', sie glaubt nicht an die Ernsthaftigkeit von Putins Vorschlag. Unterdessen hat sich die Situation im Land ein wenig beruhigt.    

Ein bisschen Unruhe kam gestern zu der Bemerkung in unserem Newsletter auf, dass die Ostdeutschen zu Fettleibigkeit neigen. Natürlich war das nicht ganz so böse gemeint, es sollte die Kanzlerin ein wenig aus der Contenance bringen. Sie jedoch störte sich nicht daran, warum auch.  Aus New York erreichte uns in diesem Zusammenhang eine Lesermeinung, in der wir danach gefragt werden, ob wir auch denken würden 'dass schwarze Menschen schlecht riechen und Juden zu Raffgier neigen?' Mit Nichten. Dies ist ein schlechter Vergleich, über den sich sicherlich auch die Ostdeutschen ärgern würden. Wir wollten es jetzt genau wissen und sind der Sache mal nachgegangen. Im Internet fanden wir dazu folgenden Eintrag: 

Mehr Übergewichtige in Nord- und Ostdeutschland. Jeder 4. Patient im Wartezimmer einer deutschen Hausarztpraxis ist fettleibig. Ein bedenklicher Bauchumfang findet sich sogar bei 4 von 10 hausärztlichen Patienten. Menschen mit Übergewicht riskieren Diabetes, Herz- und Gefäßerkrankungen oder Schlaganfall. Ernährungsexperten fordern deshalb Betreuungsprogramme durch Ärzte. Da diese regional organisiert werden müssten, haben die Forscher Studiendaten nach Bundesländern ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass Gewichtsprobleme in Deutschland ungleich verteilt sind: Mit fast 40% leben die meisten Übergewichtigen in Thüringen. Am seltensten kommen Gewichtsprobleme in Berlin vor. Auch hier sind es jedoch immer noch 31%. Fettleibigkeit ist in Sachsen-Anhalt mit 28,3% am weitesten verbreitet. In Bremen betrug der Anteil nur 19,8%. Insgesamt erkennen die Forscher ein regionales Gefälle von Nordost nach Südwest. Dieses besteht auch beim Taillenumfang. Extreme Werte fanden sie mit 42,1% am häufigsten in Sachsen-Anhalt, am seltensten in Hamburg mit 30,5%. In allen Bundesländern haben Frauen häufiger Figurprobleme als Männer.

Ein eindeutiger Beweis für unsere Mutmaßung. Von der Rassismusverdächtigung  sind wir jetzt hoffentlich entlastet. Wer mit offenen Augen durchs Leben wandelt, kann ab und zu auf Umfragen verzichten. Trotzdem einen schönen Gruß über den Teich und bitte beim nächsten Mal nicht gleich wieder Schlimmstes vermuten. 

In Venice scheint die Sonne und es soll 22 Grad warm werden.

Beste Grüße.

Michael