Michael Schultz Daily News Nr. 668

Michael Schultz Daily News Nr. 668

Berlin, den 30. April 2104

Liebe Freunde,

mit der Ausstellung 'The Weekly Show', die eigens für den Event zusammengestellt war,  wurde gestern Abend bei uns in illustrer Runde über Kunst, Kommerz, das Leben und die Liebe diskutiert. Ein spannender und anregender Abend mit einem sensationellen Ergebnis: sämtliche Kunstwerke, 12 an der Zahl, konnten vermittelt werden und fanden ein neues zu Hause. Ideengeber war René Parmantier von der Frankfurter Privatbank Close Brothers Seydler Bank; er stellte sich die Frage, ob Unternehmertum und Kunst zusammenpasst. Gemeinsam mit einigen Künstlern wurde über kreative Potenzen diskutiert, es wurde ausgelotet, wie die unterschiedlichen Ergebnisse entstehen, aber es wurde auch laut darüber nachgedacht, ob Intelligenz und Kreativität miteinander verwoben oder gar voneinander abhängig sind. Hierzu gab es, wie soll es auch anders sein, die unterschiedlichsten Meinungen; zusammenfassend hat sich zu später Stunde die Runde darauf geeinigt; dass zwar die Intelligenz kreative Prozesse vereinfachen kann, dass aber das eine oder andere so oder so in keiner Abhängigkeit zueinander steht. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, mussten viele Flaschen guten Weins geöffnet werden.

Anyway, es ist nicht alltäglich, dass das Unternehmertum in Mannschaftsstärke zu den Künstlern kommt um mit ihnen über Produktionsabläufe bei der Herstellung von Kunstwerken zu sprechen. Anders herum haben die Kunstschaffenden selten die Möglichkeit, mit geballter Wirtschaftsmacht über deren kreativen Prozessabläufe zu diskutieren. Wenn dazu noch ein guter Tropfen serviert wird, entstehen die verrücktesten Denkansätze.

Von Künstlerseite waren Cornelia Schleime, SEO, Sabina Sakoh, Helge Leiberg, Stephan Kaluza, Burkhard Held, Maik Wolf, Bernd Kirschner und Jean-Yves Klein zugegen. Die kreative Industries waren vertreten durch Martin Hofmann (Berliner Philharmoniker), Bodo Horn-Rumold (Bastei Lübbe AG), Bernhard Burgener (Constantin Medien AG), Simone Adelsbach, Jörg Hoppe, Christoph Post (DEF Media Filmproduktion), Shahin Namati (Politlobbyist), unter den Wirtschaftsbossen waren Luca Strehle (Strenesse AG), Cev Caner (Real Estate), Jörg Lemberg (Projektentwickler),  Josef Laggner (Großgastronom), Peter Lauterbach _wige Media AG, Ingo Söhngen (Rialto Capital AG), Carl L. Woebcken (Studio Babelsberg AG), Michael Kern (POLO Motorrad und Sportswear GmbH). Zu später Stunde gesellte sich der ehemalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle dazu, ein seit langem bekennender Freund Bildender Künste. Geladen war auch die Bundesministerin für Kultur und Medien Monika Grütters, die leider ihre Teilnahme absagen musste.

Der Abend endete am frühen Morgen. Zu später Stunde wurde beschlossen, dass das Forum künftig einen festen Platz im Terminkalender aller Beteiligten bekommt. Nicht nur der kommerzielle Erfolg ist dafür ausschlaggebend, es waren die wirklich guten Gespräche, die in kleiner Runde zustande kamen.

In Konkurrenz zu unserer Veranstaltung stand das Champions League Halbfinale-Spiel zwischen Bayern München und Real Madrid. Schon in der Schule wurde uns beigebracht, dass man auf die auf dem Boden liegenden nicht einschlägt, doch manchmal ist es schwer, sich daran zu halten. Die Bayern haben mit 0:4 die höchste Champions League Heimschlappe der Vereinsgeschichte eingefahren. Der Guardiola-Code ist endgültig geknackt; 70 Prozent Ballbesitz reichen international nicht aus, um ein Fußballspiel zu gewinnen. Was sich bereits vor der Saison bei Durchsicht des Kaders angedeutet hat, wurde gestern Wahrheit: Kreativität im Fußball kann nur dann zum Erfolg führen, wenn ausreichend intelligentes Personal zur Verfügung steht. Sofort nach dem Hinspiel hätten die Bayern ihr System umstellen müssen und mehr Drang zum gegnerischen Tor aufbauen müssen, ähnlich der zweiten Halbzeit in Madrid. Mehr mit dem Gegner spielen und weniger mit dem Ball - das wärs gewesen. Die Münchner müssen jetzt noch mal ganz von vorne anfangen. Zum Pokal-Endspiel am 17. Mai gegen Borussia Dortmund brauchen sie in dieser Verfassung nicht anzutreten. Das Tripple ist ohnehin nicht mehr möglich. Jetzt den Spielbetrieb einstellen und sich auf die nächste Saison konzentrieren - aber eben nicht nur auf die Meisterschaft.

Gerhard Schröder weilte dieser Tage bei seinem russischen Freund Wladimir Putin. In St. Petersburg wurde de 70igste Geburtstag nachgefeiert. Aus dem Kanzleramt wurde das Zusammentreffen gerügt; im Ergebnis steht die Freilassung der OSZE-Beobachter zu Buche. Was Frau Merkel durch ihre diplomatische Weitsicht nicht erreichen konnte, hat der Ex-Kanzler so ganz nebenbei bei einem guten Glas Wein geregelt. Sich aus der Ferne zu prosten war noch nie sein Ding. Gott sei Dank.

Morgen erscheinen wir nicht. Dafür am Freitag wieder mit einer Doppelnummer. Sprachliche Raffinesse war noch nie so richtig unser Ding. Heute hätten wir eine Entschuldigung dafür: mit 2 Flaschen Sassikaja im Kopf läufst halt doch nicht so.

Schönen Feiertag.

Michael

 

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