Michael Schultz Daily News Nr. 667

Michael Schultz Daily News Nr. 667



Berlin, den 29. April 2014

Liebe Freunde,

gestern also war nun endlich der erste Arbeitstag des neuen Berliner Kulturstaatssekretärs. Der Musikmanager Tim Renner, eine jugendliche Erscheinung, trat sein Amt an und hatte einen vollen Terminkalender: zwischen 8 und 21 Uhr mussten 10 Termine abgearbeitet werden. Der für ihn wichtigste war seine Teilnahme an der Sitzung des Berliner Kulturausschusses, und diesen durfte er dann auch gleich leiten. Bis auf die Altersstruktur der kulturpolitischen Parteisprecher nichts Ungewöhnliches. Für die Belange der interaktiven Hauptstadtkultur spricht aus den Reihen der CDU ein 73 jähriger, und für die SPD eine 68 jährige. Mit jeweils 59 Jahren erscheinen die Kulturchefs der Grünen und der Linken dagegen recht jugendlich. Einzig der Vertreter der Piraten verspricht mit seinen 40 Lebensjahren verständnisvollen Zugang zu den Belangen der breitaufgestellten Großstadt-Subkultur. Renner selbst gehört mit  49 Jahren gerade noch zur Klasse der aufgeschlossenen unter 50jährigen, doch diese überschreitet er recht bald. Sobald die 50iger-Marke erreicht ist, prophezeien die Politwahrsager, verabschiedet sich Renner von der Popkultur und wechselt ins ernste Fach. Ändern wird sich demnach kaum was in der Berliner Kulturpolitik: wie gehabt fließt der Hauptteil der zur Verfügung stehenden Mittel in die Produktionskassen der Opern- und Theaterhäuser. Renner, und das wird sich schnell herausstellen, dient lediglich als Facelifting für den angeschlagenen regierenden Klaus Wowereit. Für heute, dem 'internationalen Tag des Tanzes' will man im Roten Rathaus mit Überraschungen aufwarten. Ein Pflichttermin für den neuen Kulturchef. 

Im Wirtschaftsdezernat der Münchner Stadtregierung wurde gestern eine fatale Entscheidung getroffen. Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten wechselt auf dem Oktoberfest in diesem Jahr ein Bierzeltbetreiber. Der wegen Steuerhinterziehung verurteile Wirt der Promibehausung 'Hippodrom', Sepp Krätz, bekommt keine neue Festlizenz. Damit verschwindet das verrückteste Bierzelt von der Wiesn; an seiner Stelle steht künftig der 'Marstall' eines bisher in der Münchner Bierwelt kaum in Erscheinung getretenen Neulings. Ob er von der Vereinigung der Wiesnwirte aufgenommen wird, bleibt abzuwarten.

Das dänische Lokal 'Noma' hat den Titel des besten Restaurants der Welt zurückerobert. Das ergab eine Umfrage unter 900 Gastrokritikern. Bereits in den Jahren von 2010 bis 2012 war die Kopenhagener Edelküche die Nummer eins. Lediglich im vergangen Jahr wurden die Dänen von den katalanischen Spitzenköchen aus dem 'El Celler de Can Roca' verdrängt. Als bestes deutsches Restaurant wird das 'Vendome' aus Bergisch Gladbach auf Platz 12 gelistet. 

Laut ARD-Informationen gehören Smartphones und Internet selbst für Kinder zunehmend zum Alltag. Schon ein Fünftel der Sechs- und Siebenjährigen nutzt Smartphones, und 38% in dieser Altersgruppe sind regelmäßig online. Bei den Acht- bis Neunjährigen nutzen bereits 78% das Internet, und bei der Altersklasse der Zehnjährigen sind mit 94% nahezu alle Kinder online. Für die meisten der 12järigen gehört ein eigenes Smartphone zur Standardausrüstung.

Zwölf Tage nach dem Untergang der südkoreanischen Fähre 'Seawol', erschwert schlechtes Wetter die Suche nach den noch immer mehr als 100 vermissten Passagieren. Starker Wind und hohe Wellen behindern die Bergungsarbeiten. Bisher wurden 188 Todesopfer des Unglücks geborgen, weitere 114 Personen werden noch vermisst. Auf der Suche nach der immer noch verschollenen MH 370 konzentrieren sich die Suchmannschaften nur noch auf Gebiete unterhalb der Wasseroberfläche. Es gilt als ausgeschlossen, dass der Flieger irgendwo an Land runtergekommen ist. 

Wegen des Ukraine-Konfliktes weiten die USA und die EU  die Sanktionen gegen russische Firmen und Einzelpersonen weiter aus. Betroffen sind sieben Einzelpersonen und 17 Unternehmen; unter ihnen ist auch Vize-Regierungschef Dmitri Kosak und der Chef des staatlichen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin. Gegen sie wurden Kontensperrungen und Einreiseverbote ausgesprochen, zudem schränkten die USA den Export von High-Tech-Artikeln ein. Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow reagierte empört, sprach von abscheulichen Maßnahmen und warf den USA Realitätsverlust vor. Das russische Militär habe mittlerweile seine Manöver an der Grenze zur Ukraine beendet, erklärte Verteidigungsminister Sergej Schoigu. In der Ukraine ist es zu neuer Gewalt gekommen: Der Bürgermeister der Stadt Charkiw wurde bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt; in Donezk gab es bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten, die die Einheit des Landes forderten, und pro-russischen Kräften Verletzte. Separatisten besetzten das Rathaus einer weiteren Stadt, damit hat die Zentralregierung nun die Kontrolle über rund ein Dutzend Städte verloren. In Slawjansk haben Separatisten noch immer sieben OSZE-Beobachter in ihrer Gewalt. Unterdessen will die Ukraine ihre Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren; künftig bezieht das Land einen Teil seiner Gaslieferungen aus der Slowakei. Am Dienstag wird in London über das Vermögen des ukrainischen Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsch beraten. Er und seinen Vertrauten sollen Milliarden an Staatsvermögen ins Ausland geschafft haben; nun geht es um eine Rückgabe an die Übergangsregierung. Gestern Abend sind Russlands Präsident Putin und Altkanzler Gerhard Schröder in St. Petersburg auf Einladung der Nord Stream AG zusammengetroffen, um dessen Geburtstag nachzufeiern. Vielleicht gelingt es ja ihm, die verworrene Situation zu entzerren, und Augenhöhe zwischen den Blöcken wieder herzustellen. 

Der Nordkoreanische Diktator hat Südkoreas Präsidentin Park Geun-Hye als "Marionette" und "jämmerliche Prostituierte" von US-Präsident Barack Obama beschimpft. Der Grund für die Verbalattacke war ein Besuch Obamas in Südkorea. Der US-Präsident hat dem Land erneut seine Unterstützung zugesichert, falls es zu Kampfhandlungen mit dem nördlichen Nachbarn kommen sollte. Park wird von Nordkoreas Führung regelmäßig beschimpft, im Februar hatten die Länder allerdings ein Ende der Verbalattacken vereinbart.

In Berlin wird am kommenden Wochenende zum 10ten mal das 'Gallery Weekend' zelebriert. Das Jubiläum gibt Anlass für einen tiefen Blick hinter die Kulissen. Der 'Focus' stellt diesbezüglich in seiner aktuellen Ausgabe die 'neuen Helden' der Kunst vor: 'deutsche Maler sind weltweit gefragt. Neben den Superstars Georg Baselitz und Gerhard Richter hat sich die nächste Generation der Ausnahmekünstler etabliert.' Zu ihnen gehört laut 'Focus' neben Katharina Grosse, Tim Eitel, Thomas Arnolds, Agnieszka Kaszubowska, Andreas Hofer auch Rebecca Raue. Die Künstler werden mit Bild und Text vorgestellt. (Newsticker www.schultzberlin.com). Die in Berlin ansässige kleine, aber umso feinere Weberbank hat ein schickes Büchlein mit den Portraits wichtiger Hauptstadtgalerien aufgelegt. Unter ihnen sind Judy Lübke, Tim Neuger und Burkhard Riemenschneider, Bruno Brunnet mit Anhang, Monika Sprüth und Philomene Magers, Thomas Fischer, Barbara Thumm und Michael Schultz. 'Die Selektion umfasst 13 der führenden Berliner Galerien. Topgalerien der Stadt schildern ihren persönlichen Werdegang, Ihre Verknüpfung zum internationalen Kunstmarkt und ihre Ausblicke in die Zukunft', so der Klappentext. (diskurs@weberbank.de)

Heute Abend findet das Rückspiel der Bayern gegen Madrid statt. Im Hinspiel wurde deutlich, dass die Madrilenen mit ihrer Spielweise den Guardiola-Code der Münchner geknackt haben. Neben Chelsea, die morgen gegen das andere Madrider Superteam von Atlético antreten, gehört Real zu den weltbesten Kontermannschaften. Wird sicherlich ein spannendes Spiel. (ZDF 20.20 Uhr) Wir trotzen dem Straßenfeger und diskutieren in illustrer Runde über die unterschiedlichsten Ergebnisse kreativer Potenzen. Künstler und Wirtschaftsführer an einem Tisch. Ergebnisoffen.

Morgen wissen wir mehr. So oder So. Beste Grüße.

Michael