Michael Schultz Daily News Nr. 666

Michael Schultz Daily News Nr. 666



Köln, den 28. April 2014       

Liebe Freunde,

wer sich im Internet auf die Suche nach der Bedeutung der Zahl 666 macht, findet Grausames. Die Tripple Sechs verheißt nichts Gutes und gilt als Zahl des Teufels. Diese ominöse Zahl findet sich in der Bibel und zwar im letzten Buch des Neuen Testamentes, in der sogenannten Johannes-Offenbarung, auch Apokalypse genannt. Dort wird im 13. Kapitel gesagt, dass in der 'Endzeit' eine gottlose Macht nach der Weltherrschaft streben wird, indem sie die Menschheit mit falschen Versprechungen täuscht. Ganz deutlich, so der Netz-Autor Armin Rissi, wird immer wieder auf die globalen Dimensionen dieser Abläufe hingewiesen, und diese sollen darin kulminieren, dass Menschen nur noch kaufen und verkaufen können, wenn sie das 'Zeichen des Tieres' auf ihrer rechten Hand oder auf ihrer Stirn tragen. Fälschlicherweise wird speziell unter den radikalen Protestanten darauf hingewiesen, dass die in der Krone des Papstes eingravierten worte 'Vicarius Filli Dei' in der Addition der römischen Schriftzeichen die Zahl 666 bedeutet. Bei genauer zählweise allerdings kommt 650 heraus, und somit ist der Oberhirte der katholischen Kirche weit entfernt von der Teufelszahl.
 
Bei der Definition zur Apokalypse geht es den Netzforschern um den globalen Geldverkehr, der irgendeinmal 'abgeschafft und durch eine Körpermarkierung ersetzt werden soll.'  Die Vision, die der Jesusjünger Johannes im 1. Jahrhundert vorhergesehen hat, soll nun zu Beginn des 21. Jahrhunderts Realität werden. ,In den Symbolen der weltweiten Vernetzung, in den Strichcodes und im www. ist die 666' omnipräsent, auch werden immer mehr Tiere mit Mikrochips versehen, auf denen die Teufelszahl auftaucht. Irgendwann einmal werden auch Menschen mit den Codes versehen, spätestens dann zerstört eine apokalyptische Katastrophe jegliches Leben auf der Erde.
 
Wenn die Zahl 666 weltweit in Erscheinung tritt, naht das Ende, warnen die Paranoia-Historiker; nur wenn die Menschheit recht vorsichtig mit dem Geld umgeht, kann das vermehrte Auftauchen der Teufelszahl verhindert werden. Dies hätte die erfreuliche Nebenerscheinung, dass das Ende in weite Ferne rückt.

Zahlen bedeuten in der Welt der Esoteriker eine wichtige Rolle. Aber auch im Alltag haben sie eine große Bedeutung: die 13 beispielsweise verheißt großes Unglück, deshalb wird sie nicht selten aus der Etagenbezeichnung von Hotels gestrichen; bei einigen Airlines gibt es keine 13. Reihe; überall dort, wo diese Zahl auftaucht, verheißt sie Unheil. Wenn dann der 13. auch noch auf einen Freitag fällt, oder wenn in einem Jahr der Mond 13 Mal in voller Pracht erscheint, ist der Untergang nicht weit. Die Gläubigen verstecken sich in dunkeln Kammern und hoffen so dem Unheil zu entkommen.  
 
Als wir zum Erscheinen unserer 500. Ausgabe die Bedeutung der Zahl dokumentierten, gab es eine Kündigung. Ein westdeutscher Apotheker fühlte sich in seinem esoterischen Weltbild verunglimpft und wollte unsere News fortan nicht mehr lesen. Damals waren wir ein wenig gekränkt und haben die Abbestellung zum Thema unserer 'Redaktionskonferenz' gemacht. Wenn wir künftig auch noch darauf Rücksicht nehmen würden, dann gäbe es viele Gründe das Erscheinen ganz einzustellen, war der einhellige Tenor. Heute zum Beispiel arbeiten wir mit der Ausgabennummer 666 den Apokalyptikern zu und tragen deren Überzeugung nach zum Untergang sozialer Welt- und Wertsysteme bei. Bei vollem Bewusstsein gehen wir auch heute das Risiko ein, dass der eine oder andere aus unserem Empfängerkreis gestrichen werden will. Wenn der kommende Freitag auf einen Freitag fallen würde, gäbe es uns auch.

Gut möglich, dass der russische Präsident Putin sich zum neuen Weltherrscher aufspielen will. In diesem Punkt hätten die Zahlenhysteriker dann Recht. Alles spricht dafür, dass die pro-russischen Freischärler in der Ost-Ukraine aus Russland unterstützt werden. Putin scheint große Freude daran zu haben, Unruhe im Nachbarland zu stiften. OSZE-Mitarbeiter werden von den Separatisten wie Kriegsgefangene behandelt; einem schwedischen Beobachter hat man unterdessen aus humanitären Gründen freigelassen. Das Chaos im Land wird immer unübersichtlicher, und jede unbedachte Reaktion kann verheerende Folgen haben. Obwohl gerade er hinter allem stecken soll, hofft die Weltöffentlichkeit um die Befriedung durch den russischen Präsidenten. Mit den Provokationen organisieren die Freischärler ein Chaos und erhoffen sich in den bevorstehenden Wahlen und einem Referendum mehr Nähe zu Russland.

In Berlin riefen gestern Künstler und Touristen zu einer Reinigung der Graffiti Kunstwerke an der 'East Side Gallery' auf. Pünktlich zur heutigen Inthronisierung des neuen Kulturstaatssekretärs Tim Renner will sich die Kulturstadt seinem Repräsentanten zeigen. Auch sollen die frisch geputzten Mauerteile die Besucher des Gallery Weekends von der Reinlichkeit der bundesdeutschen Hauptstadt überzeugen.

Nach dem Eklat um den Nazi-Vorwurf gegen den Sänger Heino melden sich jetzt seine wahren Fans und erteilen ihm Absolution: der Nachrichtensprecher Marc Bator ist ebenso von der Rechtschaffenheit des Barden überzeugt wie Roberto Blanco, Marianne und Michael und Siegfried und Roy. 'Heino ist offen und lehnt Gewalt strikt ab. Nie und nimmer ist er ein Nazi', verkünden die Stimmen aus dem Off. 
 
Digitale Kunstwerke von Andy Warhol sind jetzt auf einem 30 Jahre alten 'Amiga Computer' entdeckt worden. Commodore, einstiger Primus unter den Heimcomputern, hatte Warhol seiner Zeit gebeten, mit dem Amiga ein wenig zu experimentieren. Die Diskette verschwand danach im Archiv und wurde jetzt wieder gefunden.

Malaysia will die Passagiere der verschollenen Boeing 777-200 noch nicht für tot erklären. Man gehe zwar davon aus, dass alle Passagiere des Fluges MH 370 gestorben seien, sagte Premierminister Najib Razak, er müsse jedoch die Gefühle der Angehörigen beachten. Diese wollen den Tod erst anerkennen, wenn Beweise dafür vorliegen.

Am vergangen Samstag saß der verurteilte Steuersünder Uli Hoeneß stolz und medienbewusst auf der Tribüne der Allianz Arena. Eigentlich hätte er nach Ostern seine Haftstrafe antreten sollen. In Berlin kursiert das Gerücht, dass man ihm diese erlassen will, wenn er den Job des Flughafen-Fertigstellers übernehme. Die Idee stammt aus der Tiefe des Kanzleramts, Angela Merkel will den glücklosen Hartmut Mehdorn durch den Bayernmanager ersetzen. Sollte der Airport bis zum 1. Mai 2019 in Betrieb gehen, so soll per Kanzlerinnen-Erlass  seine  Haftstrafe in Gänze erlöschen. Auch wenn er sich geschmeichelt fühlt, so ziert sich Hoeneß noch ein wenig. Fünf Jahre für diese Mammutaufgabe sind auch für ihn eine wahre Herausforderung. Kann gut sein, dass der die Inhaftierung vorzieht.
 
Bis morgen.

Michael