Michael Schultz Daily News Nr. 644

Michael Schultz Daily News Nr. 644

Baku, den 27. März 2014

Liebe Freunde,

auf ihrem Onlineportal vermeldet die 'Süddeutsche Zeitung' heute, dass der Münchner Kunsterbe Cornelius Gurlitt alle Bilder, die aus jüdischem Besitz geraubt wurden, den Eigentümern oder deren Nachfahren zurückgeben will. Der in Salzburg ausgelagerte Teil seiner Sammlung soll weitaus umfangreicher sein, als bisher vermutet. Dort schlummern Meisterwerke von Monet, Liebermann, Courbet, Matisse, Renoir und vielen anderen bedeutenden Künstlern. Als erstes Werk soll in den kommenden Tagen, so die 'Süddeutsche' die Rückgabe des Portraits 'Sitzende Frau' von Henri Matisse mit den Erben des Kunstsammlers Paul Rosenberg vereinbart werden. Das Gemälde wurde im Jahre 1941 aus einem Tresor in Bordeaux gestohlen und zierte danach zeitweise die Sammlung von Hermann Göring. Danach gelangte es auf Umwegen in die Sammlung der Familie Gurlitt. Der heutige Wert des Gemäldes liegt im unteren zweistelligen Millionenbereich. Eine beschleunigte Rückgabe wird durch die  Augsburger Staatsanwaltschaft erschwert, weil das Bild sich dort wegen eines Steuerstrafverfahrens in Gewahrsam befindet.  

In Deutschland arbeitet augenblicklich eine von der Bundesregierung eingesetzte Task-Force daran, die Herkunft der Bilder zu ermitteln. Die Forscher sollen herausfinden, in welchen Fällen ein Verdacht zur Raubkunst besteht. Nach Medienangaben soll es sich dabei um 590 Kunstwerke handeln. Dem widersprechen die Berater von Gurlitt, die der Meinung sind, dass lediglich bei 40 bis 50 Werken ein begründeter Verdacht von Raubkunst bestehe. Ein Großteil der Salzburger Sammlung konnte durch die Behörden in dem alten und verlassenen Haus nicht gefunden werden. Jetzt sind sie an einem sicheren Ort verwahrt, und Gurlitt selbst will nun die Herkunft der Bilder ermitteln. 

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wurde zurückgetreten. Auf Anordnung des Papstes darf er nicht mehr in seine alte Gemeinde zurück, und weil ihm dies schwerfällt, wurde die Freiwilligkeit angeordnet. Aber er kämpft 'als Zeuge der Wahrheit' um seine Reputation. Nach dem für ihn vernichtenden Urteil der Prüfkommission widerlegt er in einem vierseitigen Papier die Vorwürfe. Laut Prüfbericht hat Tebartz-van Elst die Bauprojekte auf dem Limburger Domberg systematisch mit zu niedrigen Kosten angegeben. Auch habe er Kontrollen verhindert und  in vielen Fällen habe er kirchliche Vorschriften nicht eingehalten. Das alles will er nicht auf sich sitzen lassen und erklärte jetzt seine Unschuld. Der Vatikan sei von seinem Bauvorhaben und den anfallenden Kosten informiert gewesen; die Hauptschuld für das Finanzgebaren trägt seiner Meinung nach der ehemalige Bischöfliche Generalvikar. Er selbst sei kein Zahlenmensch, die Gesamtkosten hatte nur der Vikar im Blick. Dieser soll auch für die umstrittene Kunstausstattung verantwortlich gewesen sein; Vieles wurde ohne Kenntnis des Bischofs erworben. 

Für sein noch verbleibendes Restansehen wäre es besser gewesen, wenn Tebartz-van Elst den letzten Part seiner Widerrede verschwiegen hätte. Das architektonische Wunderwerk und die erlesenen Kunstwerke werden bleiben, und darauf wird man in Limburg stolz sein, sobald sich der Nebel ein wenig gelichtet hat. Man will dem verschwenderischen Bischof schnell verzeihen und ihm alsbald im Archiv der Stadtheiligen ein ehrendes Denkmal  setzen. Aber er muss es auch wollen. Der Papst, so wird berichtet, wird den noch jungen Geistlichen alsbald einer neuen Beschäftigung zuführen. Dort soll er sich weniger den weltlichen Abgründen widmen; als Mann des Geistes wird künftig das Gebet im Zentrum seiner Tätigkeit stehen. 

Der amerikanische Präsident Obama wird sich heute auf den Weg nach Rom machen.  Für seine  Europapolitik sucht er  die Unterstützung des Heiligen Vaters. Dass dieser ausschließlich dem Frieden verpflichtet ist, wird dem US-Präsidenten nicht verschwiegen werden. Obama will Europa aufrüsten, will die Russen mit der Macht der Kanonen zur Räson zwingen; er will den längst zugeschütteten Graben des Kalten Krieges wieder aufreißen. Putins Krim-Annektierung hätte mit diplomatischen Mitteln verhindert werden können, sagt jetzt auch Altkanzler Helmut Schmidt. Auch wenn das Kanzleramt dies in größter Eile als seine private Meinung darstellt, bleibt zu wünschen, dass der Westen den Weg zu Verhandlungen auf Augenhöhe ebnet. Nicht nur für die Ukraine wäre dies zu wünschen: die ganze Region wünscht sich dies. In Georgien und Aserbaidschan sorgt man sich um die Souveränität ihrer Länder.

Für morgen ist die Rückreise nach Deutschland geplant. Der Wochenschlussbericht kommt nochmal aus Baku. Bis dahin.

Michael

 

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