Michael Schultz Daily News Nr. 642

Michael Schultz Daily News Nr. 642

Baku, den 25. März 2014

Liebe Freunde,

im Heydar Aliyev Cultural Center in Baku wird derzeit unter dem Titel 'Fly to Baku' eine eindrucksvolle Ausstellung gezeigt. Aber nicht nur die Kunst ist sehenswert, das an einer Riesenwelle orientierte futuristische Ausstellungsgebäude ist schon ein Kunstwerk an sich. Entworfen wurde das Ausstellungs- und Kulturcenter von Zaha Hadid, die bereits an anderen Orten der Welt bewiesen hat, dass ihre architektonischen Kunstwerke zu den sehenswertesten schlechthin gehören. Und weil sie ihre äußere Form im Gebäudeinnenteil wieder aufnimmt, haben es Kunst und Künstler nicht leicht, sich dagegen zu behaupten.

'Fly to Baku' wurde bisher in London, Paris, Wien, Rom, Moskau und auch in Berlin (me Collectors Room / Stiftung Olbricht) gezeigt. Zu sehen sind vielfältige Positionen zeitgenössischer aserbaidschanischer Kunst, die sich zwischen islamischer Bildtradition und modernem westlichen Einfluss bewegen. Einige Künstler haben für die Show eigens Arbeiten angefertigt, in den denen sie einerseits auf die tausendjährige Geschichte des Landes eingehen und anderseits aber auch die Umwälzungen von der ehemaligen Sowjetrepublik in ihre Unabhängigkeit thematisieren.  Gleichzeitig findet im Museum of Modern Art / Baku eine weitere Ausstellung zeitgenössischer Kunst statt. Dort wird mit rund 800 Ausstellungsstücken der Blick in das aktuelle Schaffen aserbaidschanischer Künstler vertieft. Interessante Kunst ist auch dort zu sehen; die Hängekommissare allerdings wurden in Petersburg ausgebildet, und das macht die Orientierung manchmal schwer. Dass weniger manchmal mehr ist, wird gerade in der Präsentation von Kunst immer wieder bewiesen. Aber, man zeigt auch in Baku gerne was man hat - weil man stolz darauf ist.

 
Der Künstler Eliyar Alimirzoyev hat auf eine bemalte Leinwand diese Wassereimer angebracht. Im Zentrum wurde ein Spiegel installiert, der den Betrachter zum Bestandteil der Kunst werden läßt. Gesehen in der 'Fly to Baku'-Ausstellung.

Die malaysische Regierung lässt nach neueren Erkenntnissen keinen Zweifel mehr daran, dass MH 370 ins Meer gestürzt ist. In einem Statement verwies der Staatschef Najib Raza darauf, dass neuausgewertete Satellitenbilder endgültige Gewissheit über den Verbleib der Maschine geliefert haben. Wie bisher vermutet, ist die Boeing 777 im Seegebiet südwestlich vom australischen Perth ins Meer gestürzt. Wie bisher alles in diesem kuriosen Fall, ist auch das noch nicht endgültig bestätigt, vieles aber spricht dafür. Für Entsetzen sorgte die Mitteilung, dass Malaysia Air die Angehörigen der Passagiere per SMS über den endgültigen Verlust von Maschine und Passagieren informiert hat. Die Angehörigen, die sich im Pekinger Künstlerhotel Lido Hotel versammelt haben, reagierten mit Schrei- und Weinkrämpfen. Das gesamte Krisenmanagement und die psychologische Betreuung der Hinterbliebenen sind desaströs und haben mit ihrem pietätlosen SMS-Versand von Todesnachrichten das Leid der Menschen noch verstärkt.  

Was lange bekannt gewesen ist, wurde nun bestätigt: wegen der Annektierung der Krim wurde Russland aus dem Kreis der führenden Industrienationen ausgeschlossen. Der für Ende Juni geplante G8-Gipfel in Sotschi wurde endgültig abgesagt; man trifft sich dann in Brüssel, und der Staatenbund bekommt mit G7 auch ein neues Kürzel. Weitere Sanktionen sollen beschlossen werden, so auch ein geplantes Außenministertreffen in Moskau. Die Russen sollen mit internationaler Isolation bestraft werden; dass das nichts bringt, belegen viele Beispiele aus der Geschichte. Russische Politiker, an vorderster Stelle Wladimir Putin, reagieren äußerst gelassen auf die Bestrafung des Westens. Wenn dieser in der NSA-Abhöraffäre nur ansatzweise so reagiert hätte, dann würde uns zukünftig vieles erspart bleiben. Noch aber, und das betont der amerikanische Präsident Obama tagtäglich, sind die Türen zu Russland weit geöffnet. Auch er hofft noch auf eine diplomatische Bereinigung der Situation.

Unsere Baku-Exkursion führt uns auch heute wieder zur Kunst des Landes. Zwischendurch wird für das leibliche Wohl gesorgt. Gestern wurde frisch aus dem kaspischen Meer gefangener Stör serviert; gegrillt und mit erlesenen Beilagen. Auch in der Küche haben die Kreativen das Sagen.

Bis morgen mit besten Grüßen.

Michael  

 

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